Schlagwortarchiv für: Städtebau

[blockquote pull=”” align=”left” attributed_to=”Rudolph W. Giuliani” attributed_to_url=”” border_color=”gray”]No matter how you look at New York City – vertically, horizontally, upside down, sideways – one thing remains clear, New York City is the Capital of the World.[/blockquote]

Selbstverständlich bin ich nicht der Erste mit dieser Idee. Dennoch fand ich es reizvoll, bei meinem letzten New York Besuch im August 2018, Fotos für einen vertikalen Monatskalender aufzunehmen. Hier das Ergebnis (12 Monate und ein Titelbild).

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Projektbeschreibung

Dissertationsprojekt

Projektveröffentlichungen

Aus Anlass des ersten Champions League Spiels der TSG 1899 Hoffenheim konnte ich im September 2018 zu einem zweitägigen Kurzaufenthalt nach Charkiw in der Ostukraine reisen. In der zweitgrößten Stadt des Landes trägt der ukrainische Fußballmeister FK Schachtar Donezk kriegsbedingt seine Heimspiele aus.

Die Stadt

Charkiw ist nach Kiew mit rund 1,4 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Ukraine und mit 42 Universitäten und Hochschulen das bedeutendste Wissenschafts- und Bildungszentrum des Landes. Die Stadt liegt an der Mündung des Flusses Charkiw in den Lopan und des Lopan in den Udy im Nordosten der Ukraine. Sie ist ein Zentrum des Maschinen- und Schienenfahrzeugbaus sowie der Elektro-, Nahrungsmittel- und chemischen Industrie). Sie stellt mit zusammen zwölf Theatern und Museen ein kulturelles Zentrum dar und ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt.

Der offizielle Name der Stadt ist Charkiw (ukrainisch Харків). Daneben ist in der in weiten Teilen russisch- oder zweisprachigen Bevölkerung Charkow (russisch Харьков) gebräuchlich. Während der Zugehörigkeit zur Sowjetunion wurde von deutschsprachigen Medien fast durchgängig die russische Namensvariante verwendet. Seit der Unabhängigkeit der Ukraine findet jedoch zunehmend die ukrainische Version des Namens Verwendung. Gelegentlich sind auch die Schreibweisen Kharkiv und Kharkov anzutreffen, welche auf der englischen Transkription des ukrainischen beziehungsweise russischen Namens basieren.

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Die Bevölkerung der Stadt besteht mehrheitlich aus Ukrainern und Russen neben kleineren Minderheiten, wie Armeniern, Aserbaidschanern, Weißrussen, Usbeken und Tataren. Charkiw gehört zum mehrheitlich russischsprachigen Teil der Ukraine. Nach einer offiziellen Statistik sprachen im Jahr 2001 etwa 66 % der Stadtbewohner zu Hause ausschließlich Russisch, hinzu kommen viele zweisprachige Haushalte. Inoffizielle Statistiken beziffern einen noch höheren Anteil an Russischsprachigen. 2012 wurde in der Region Charkiw Russisch als regionale Amtssprache anerkannt.

Die Stadt wurde ursprünglich als Festung zur Verteidigung der Südgrenzen des Zarenreiches bzw. zur Abwehr der Krimtataren im Jahr 1630 gegründet. Mit der Verschiebung der russischen Grenzen nach Süden verlor Charkiw Ende des 18. Jahrhunderts seine Bedeutung als Festung. Die Stadt wurde jedoch zu einem Zentrum von Handwerk und Handel, nachdem sie bereits 1765 zur Hauptstadt des “Gouvernement Charkow” im Zarenreich wurde. Mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz (1869) und dem Beginn der Gewinnung von Kohle und Eisenerz in der Ukraine entwickelte sich Charkiw Ende des 19. Jahrhunderts als Industriezentrum. Während des Bürgerkriegs 1917 bis 1920 kam es in der Stadt zu schweren Kämpfen. Im Januar 1918 tagte in Charkiw der erste ukrainische Sowjetkongress, der die Ukraine zur Sowjetrepublik ausrief und Charkiw zu ihrer ersten Hauptstadt erklärte, die sie bis 1934 blieb. Im Frühjahr 1933 war Charkiw besonders stark vom “Holodomor“, einer maßgeblich durch das stalinistische Regime verursachten Hungersnot, betroffen. In der Stadt verhungerten innerhalb weniger Monate über 45.000 Menschen.

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Im Zweiten Weltkrieg war Charkiw wegen der Funktion als Verkehrsknoten sowie der vorhandenen Rüstungsindustrie (Panzerbau) ein sehr wichtiges strategisches Ziel. Im Oktober 1941 nahmen Truppen der deutschen 6. Armee die damals viertgrößte Stadt der Sowjetunion kampflos ein. Nach den Erfahrungen während der Stalinschen Säuberungen begrüßten zahlreiche Einwohner der Stadt die einrückenden Einheiten der Wehrmacht mit Brot und Salz. Kurz danach aber begann der Terror an der Zivilbevölkerung: die meisten in der Stadt verbliebenen Juden wurden beim Massaker von Drobyzkyj Jar umgebracht; zahlreiche Bewohner von Charkiw wurden nach Deutschland als Zwangsarbeiter verschleppt. Im Mai 1942 scheiterte ein sowjetischer Befreiungsversuch (“Zweite Schlacht um Charkow”). Im Februar 1943 zog sich die Wehrmacht zurück, um einer Einkesselung zu entgehen. Im März 1943 fiel die Stadt nach schweren Gefechten wieder an die Deutschen, wobei große Teile der Stadt zerstört wurden. Nach der “Panzerschlacht um Kursk” wurde die Stadt am 23. August 1943 endgültig durch die Rote Armee eingenommen (“Vierte Schlacht um Charkow”). Insgesamt sind in der Oblast Charkiw ca. 270.000 Menschen der deutschen Besatzung zum Opfer gefallen.

Mit dem Wiederaufbau Charkiws wurden große Teile der Stadt im Stile des Sozialistischen Klassizismus neu gestaltet. Charkiw wuchs in der Nachkriegszeit schnell zur Millionenstadt. Seit 1991 gehört Charkiw zur unabhängigen Ukraine. Besonders in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit brach die Wirtschaft der Stadt ein, wie auch in den meisten anderen Regionen der ehemaligen Sowjetunion. Seit Ende der 1990er Jahre kehrte sich dieser Trend aber wieder um. Als erste Stadt der Ukraine wurde Charkiw 2010 mit dem Europapreis des Europarates für seine herausragenden Bemühungen um den europäischen Integrationsgedanken ausgezeichnet. Während der Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine fanden in der Stadt insgesamt drei Vorrundenspiele statt, darunter die Begegnung Niederlande – Deutschland (1:2).

Tag 1

Nach einer schlaflosen Nacht am Flughafen ging es um 5:00 Uhr morgens mit Ukraine International Airlines von Frankfurt über Kiew nach Charkiw. Nach Sonnenaufgang boten sich bei bestem Wetter interessante Blicke auf die Agrarlandschaft sowie die Dörfer und Städte in Südpolen und der Ukraine.

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Da nach der Landung drei Stunden Zeit bis zum Hotel Check-In blieben, beschloss ich – gemeinsam mit einem mitreisenden Freund – nicht mit dem Taxi, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Stadtzentrum zu fahren. Da der Flughafen nicht über einen U-Bahn-Anschluss verfügt, galt es, die richtige Bushaltestelle und den richtigen Bus zu finden. Wir landeten gleich einen Treffer, die Linie 255 würde uns vom im Süden der Stadt gelegen Flughafen zur U-Bahn-Station Академика Барабашова im Osten bringen. Schnell war das Ticket für umgerechnet 12 Cent beim Fahrer gelöst und die Fahrt begann. Deutschen TÜV hätte das Gefährt nicht bekommen, aber der Fahrer verstand die mangelnde Bremskraft durch vorausschauendes Fahren auszugleichen. Die Busroute erwies sich gleich in zweifacher Hinsicht als gute Wahl, führte sie doch entlang der großen Industriezonen der Stadt und endete mitten im Barabashova Markt (Барабашово), einem 75 Hektar großen Straßenmarkt. Hier werden Textilien, Schuhe, Haushaltswaren, Elektrogeräte und vieles andere mehr gehandelt.

Nach einem kurzen Bummel durch den Markt betraten wir die U-Bahn Station. Die 1975 in Betrieb genommene Charkiwer Metro war erst die sechste auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR gebaute U-Bahn. Sie besteht aus drei Linien, die 29 Stationen bedienen. Pro Jahr werden mehr als 240 Millionen Passagiere gezählt. Ähnlich wie in Moskau sind alle Metrostationen aufwendig gestaltet, sie greifen architektonische Motive der jeweiligen Plätze oder naheliegender öffentlicher Gebäude auf. Derzeit kostet eine Fahrt 5 Hrywnja (ca. 0,15 €). Ausführliche Informationen zur Charkiwer U-Bahn finden sich unter http://eng.asmetro.ru/metro/metro/Kharkov/Kharkov_full/.

Unsere erste Station in der Stadtmitte war der Freiheitsplatz (Майдан Свободи). Der in den 1920er Jahren gestaltete Platz ist etwa 750 m lang, bis zu 125 m breit und hat eine Fläche von etwa 11,5 ha. Er zählt somit zu den größten Stadtplätzen Europas. Im Nordwesten ist der Platz kreisförmig mit einem Park in der Mitte gestaltet, während er an der südöstlichen Seite eine rechtwinklige, unbebaute Fläche hat. Am Übergang vom runden zum rechtwinkligen Teil des Platzes befand ein 1963 eingeweihtes, 20 m hohes Lenindenkmal. Es wurde im September 2014 von pro-ukrainischen Demonstranten gestürzt, aktuell werden die Reste des Sockels beseitigt. Am Platz befindet sich unter anderem das Hauptgebäude der Wassyl-Karasin-Universität Charkiw und das Derschprom-Gebäude (Держпром), ein 1928 vollendeter, erster sowjetischer 13-stöckiger “Wolkenkratzer” im Stil des Konstruktivismus. Weitere Gebäude auf dem Platz wurden im Stil des Sozialistischen Klassizismus erbaut.

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Beim nachfolgenden Spaziergang durch die Stadt folgte ich der Sumska Straße und ihren Nebenstraßen nach Süden. Entlang dieser historischen Hauptstraße liegen zahlreiche öffentliche Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten der Stadt. Optisches Highlight ist zweifellos die Kirche der Heiligen Myrrhe-Trägerinnen. Trotz ihres traditionellen Baustils mit neun Kuppeln, handelt es sich um einen erst 2015 geweihten Neubau der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (Kiewer Patriarchat). Am gleichen Ort stand eine alte Kirche gleichen Namens aus dem siebzehnten Jahrhundert, die in den 1930er Jahren von den stalinistischen Machthabern zerstört worden war. Im Park vor der Kirche steht der nachts bunt beleuchtete Spiegelbrunnen (Дзеркальний струмінь), das bekannteste Symbol der Stadt.

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Mehr Authentizität besitzt die nahe des Verfassungsplatzes gelegene Uspenskij- bzw. Mariä Himmelfahrt-Kathedrale. Die Kirche wurde um 1770 erbaut. Zu Ehren des Sieges über Napoleon wurde in den 1820er Jahren der knapp 90 m hohe Glockenturm hinzu gefügt. Während der sozialistischen Zeit wurde die Kirche dank ihrer Orgel als Konzertsaal genutzt. Seit 2006 ist sie wieder im Besitz der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche.

Im Rahmen meiner Dissertation habe ich mich ausführlich mit dem “sozialistischen Städtebau” in Ostdeutschland, Osteuropa und der Sowjetunion mit ihren Nachfolgestaaten beschäftigt. Schon beim Landeanflug auf Charkiw waren zahlreiche Charakteristika der “sozialistischen Stadt” und ihrer post-sozialistischen Transformation zu erkennen. Das 1954 erbaute “Haus mit dem Helmdach” (Будинок зі шпилем) wurde von Nikita Chruschtschow persönlich als Sinnbild des modernen Charkows bezeichnet und ist ein wunderbares Beispiel für den “Zuckerbäckerstil” der Nachkriegsjahre. Im Kontrast dazu die Betonarchitektur des Ende der 1980er errichteten Neubaus des Opernhauses.

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Das Spiel

Am frühen Abend machte ich mich zu Fuß auf ins südöstlich des Stadtzentrums, inmitten eines Wohngebiets gelegene Metalist-Stadion. Urspünglich trug die 1926 eröffnete Arena den Namen Traktor-Stadion. Für die Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine wurde die Spielstätte zwischen 2008 und 2009 umfassend renoviert und erhielt eine Kapazität von 41.307 Sitzplätzen. Die Südtribüne wurde fertiggestellt und eine neue Osttribüne errichtet. Die Arena bekam ein neues Dach, das von einer Stahlgerüstkonstruktion getragen wird und alle Ränge überdeckt.

Schachtjor Donezk beschloss nach der Winterpause der Saison 2016/17 seine Heimspiele im Metalist-Stadion zu veranstalten. Der wegen des Krieges in der Ostukraine aus Donezk ausgewichene Club erhoffte sich in Charkiw mehr Zuspruch von den Fans, als im westukrainischen Lwiw, wo der Verein in den zweieinhalb Jahren davor spielte. Diese Hoffnung hat sich jedoch nur teilweise erfüllt, bei den Ligaspielen verlieren sich regelmäßig nur wenige hundert Zuschauer auf den Tribünen. Anders jedoch an diesem lauen Sommerabend, wo über 28.000 Fußballfreunde das Stadion zu mehr als zwei Dritteln füllten. Uns etwa 150 Hoffenheim-Anhängern stand in etwa die gleiche Anzahl an Polizisten und Ordnungskräften gegenüber: gleich vier mal mussten wir unsere Habseligkeiten vorzeigen, bevor wir ins Stadioninnere gelangen konnten. Bemerkenswert auch das Catering: anstelle des sonst üblichen Fastfoods gab es einen Stand mit leckeren Fleischspießen und Kartoffelecken.

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Das Spiel selbst war äußerst unterhaltsam, unsere Mannschaft lag zwei mal in Führung, musste aber kurz vor Schluss den (verdienten) 2:2 Ausgleich hinnehmen. Eine ausführliche Spielanalyse gibt es beim Kicker [http://www.kicker.de/news/fussball/chleague/spielrunde/champions-league/2018-19/1/4546689/spielanalyse_schachtjor-donezk_1899-hoffenheim-3209.html] oder auf unserer Fanclubseite [http://akademikerfanclub.de/schachtjor-donezk-vs-1899-hoffenheim/]. Kurz nach Spielende erreichten mich dann etliche Kurznachrichten auf diversen Kanälen. Sowohl in der Champions League Übertragung bei Sky als auch auf dem Streamingportal DAZN waren wir beim Fachsimpeln ins Bild geraten und in die heimischen Wohnstuben gesendet worden.

Zu Dritt machten wir uns dann durchs nächtliche Charkiw zu Fuß zurück auf den Weg in die Innenstadt. Eine Gruppe von Halbstarken musterte uns kurz, aber offensichtlich waren wir es nicht wert, verprügelt zu werden. Viel erfreulicher verlief wenige Minuten später die Begegnung mit einem Vater und seinem Sohn, die uns um ein gemeinsames Foto baten. In einem Kauderwelsch aus Englisch und Russisch versicherten wir uns, ein sehr gutes Spiel zweier sehr respektabler Mannschaften gesehen zu haben. Ich bin sicher, dass uns der Bub in guter Erinnerung behalten wird.

Tag 2

Am nächsten Morgen war der zweite Teil meiner Stadtbesichtigung u.a. durch zwei weitere Kirchen geprägt. Die neo-byzantinische Verkündigungs-Kathedrale war bei ihrer Weihe 1901 eine der größten Kirchenbauten des Russischen Reiches. Fünf Kuppeln und ein 80 Meter hoher Glockenturm überspannen einen goldgeschmückten Kirchenraum mit mehreren Altären und zahllosen Ikonen. Ab 1930 war die Kirche durch die kommunistischen Machthaber für Gläubige gesperrt, unterbrochen nur durch die deutsche Besatzungszeit 1943. Zwischenzeitlich wurde das Gebäude auch als Schule und Warenlager zweckentfremdet. Seit 1946 ist die Kirche Zentrum der Eparchie (Bistum) Charkiw der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat).

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Sehr viel älter ist die Pokrovsky-Kathedrale im Kloster Mariä Schutz und Fürbitte [Покровський монастир] am gegenüberliegenden Hochufer des Lopan. Die bis 1689 im barocken Baustil erbaute Kirche ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt. Die Klostermauern waren im 17. Jahrhundert Teil der Stadtbefestigung, so dass sich bis heute ein abgeschirmter Charakter der Anlage erhalten hat. Das innere der Kirche ist reich geschmückt, und alle Wände sind mit eindrucksvollen Fresken bemalt.

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Das große Tor der Klosteranlage öffnet sich direkt auf den Verfassungsplatz [Майдан Конституції], dessen Randbebauung Baustile aus den letzten drei Jahrhunderten vereint. Bemerkenswert sind neben dem Glaskubus des Historischen Museums, das erst 2012 errichtete Freiheitsdenkmal und das überdimensionale Thermometer an der Fassade des Meteorologischen Instituts.

Unvergessliche, wenn auch nicht im Foto festgehaltene Eindrücke, hinterließ auch die große Halle des Zentralmarktes [Tsentralnyi Rynok / Центральний Ринок]. In diesem Hallenkomplex werden die vielfältigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse des Landes gehandelt. Während in der Haupthalle vorwiegende Obst, Gemüse, Backwaren und Gewürze feilgeboten werden, zweigen rechts und links kleinere Nebenhallen ab, in denen tierische Produkte verkauft werden. So gibt es jeweils eigene Trakte für Geflügel, Rind, Schwein, Ziege und Schaf, Fisch sowie Molkereiprodukte. Die Stände und Verkaufstheken sind gekachelt, die Waren liegen offen zur Begutachtung aus.

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Meine letzte Station sollte der Maxim-Ghorky Park sein. Neben verschiedenen Sportstätten und einem kleinen Vergnügungspark gibt es hier eine Standseilbahn, die in den Norden der Stadt führt. Leider war die Bahn ausgerechnet an diesem Tag für Revisionsarbeiten geschlossen, und so blieb mir die Vogelperspektive verwehrt. Da der Park am dem Flughafen entgegengesetzten Ende der Stadt liegt, bestellte ich ein Uber-Taxi. Der Fahrer verstand kein Englisch und schien auch sonst nicht so genau zu wissen, wie er im einsetzenden Feierabendverkehr am schnellsten zum Flughafen fahren sollte. Gemeinsam gelang es uns jedoch, das Navigationssystem zu bedienen und das Abflugterminal rechtzeitig zu erreichen.

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Schnell noch ein letztes Foto vom historischen Flughafengebäude und los ging die Rückreise über Kiew mit einem schönen Blick auf den Dnepr im Sonnenuntergang. Eindrucksvoll auch die Straßen und Plätze von Kiew sowie das hell erleuchtete Olympiastadion, wo an diesem Abend Dynamo Kiew gegen den FC Astana in der Europaleague antrat. In einer wolkenfreien Nacht führte die Flugroute etwas weiter nördlich als beim Hinflug über das südliche Polen, Sachsen und Thüringen. Neben anderen Städten war das nächtliche Dresden deutlich zu erkennen.

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Es waren zwei sehr intensive Tage mit einer Fülle von Eindrücken. Die kurze Begegnung mit der Ukraine hat in mir den Wunsch geweckt, das Land und seine Menschen noch besser kennen zu lernen. Ich freue mich auf das Rückspiel.

Дякую Харків! Спасибо Харьков! 

Lesestoff

OTT, Thomas (1997): Erfurt im Transformationsprozeß der Städte in den neuen Bundesländern. Ein regulationstheoretischer Ansatz. Erfurter Geographische Studien 6, Erfurt: Institut für Geographie

Kurzfassung

Am Vorabend der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten bot die Stadt Erfurt das typische Bild einer “real existierenden” sozialistischen Stadt in der DDR: Sie entsprach zwar nicht den utopischen Vorstellungen einer idealtypischen sozialistischen Stadt, aber in ihrer baulichen Substanz wie in ihrer funktionalen Struktur spiegelten sich die städtebaulichen Entwicklungen einer 40 Jahre andauernden Epoche zentralistisch-diktatorischer und planwirtschaftlicher Entscheidungsstrukturen. Obwohl die Stadt von größeren Schäden im Zweiten Weltkrieg verschont blieb, führte der Großplattenbau seit den sechziger Jahren zu empfindlichen Zerstörungen der Stadtstruktur in den Randbereichen der mittelalterlichen Stadt und den Übergängen zu den gründerzeitlichen Stadterweiterungen. Zwar blieb der Altstadtkern im wesentlichen unangetastet, jedoch haben die großflächigen sozialistischen Wohn- und Industriegebiete im Norden und Süden die Stadt überformt und nachhaltig geprägt. Abgesehen von der geplanten, aber nicht realisierten Höhendominante sind die physiognomisch-funktionalen Kennzeichen sozialistischen Städtebaus auch in Erfurt zu finden. Die nach dem Zweiten Weltkrieg neu entstandenen Wohnkomplexe und -siedlungen spiegeln die jeweils gültigen Grundsätze des sozialistischen Städtebaus der DDR wieder, wobei aufgrund des geringen Zerstörungsgrades der Wohnsubstanz und des Aufbaus der metallverarbeitenden und elektrotechnischen Industrie das zahlenmäßige Schwergewicht des Erfurter Wohnungsbaus auf den Bauformen der siebziger und achtziger Jahre liegt.

Die baulichen Strukturen fanden ihre soziale Entsprechung in der sozioökonomischen Struktur der Bevölkerung. In den Neubaugebieten der siebziger und achtziger Jahre war am Ende eine vergleichsweise ausgewogene Zusammensetzung der Einwohner gegeben, wobei allerdings durch die Vergabekriterien eine auffällige altersmäßige Schichtung bestand. In Abhängigkeit vom sanitären und baulichen Zustand der Wohnungen ergab sich in den Altbaubeständen demgegenüber eine stärkere Segregation einzelner Bevölkerungsgruppen, die im wesentlichen die Vorkriegszustände fortschrieb: die Villengebiete im Süden und Westen behielten ihren gehobenen Status und waren bevorzugte Wohnstandorte für Angehörige der Nomenklatur von Partei und Staat. Die traditionellen Arbeiterwohngebiete im Osten und Norden sanken durch die schlechte Ausstattung und den fortschreitenden baulichen Verfall immer weiter hinter die Neubaugebiete zurück, so daß am Ende eine deutliche Überalterung der Bevölkerung sowie eine Konzentration sozialer Problemfälle zu beobachten war.

Der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik hatte weitreichende Auswirkungen auf die innere Differenzierung der Stadt sowie auf die Stadt-Umland-Beziehungen. Mit der Übertragung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Regulationssystems aus der alten Bundesrepublik wurde in vielen Bereichen eine schlagartige Umkehr der bisherigen Entwicklung in Gang gesetzt. Während bis 1989 die Konzentration des Wohnungsbaus auf die damalige Bezirksstadt eine kontinuierliche Zunahme der Einwohnerzahlen verursachte, dokumentierte der Bevölkerungsrückgang im Landkreis Erfurt die Vernachlässigung ländlicher Siedlungen und das Fehlen jeglicher Suburbanisierung. Diese setzte erst nach 1990 ein und zeigt sich am Einwohnerzuwachs der Umlandgemeinden. In der Altstadt führte das kapitalistische Bodenwertgefüge zur Herausbildung einer City, die sich auch auf benachbarte Bereiche ausdehnte. Insbesondere die gründerzeitlichen Wohnquartiere sind einem überwiegend exogen gesteuerten Umnutzungsdruck unterworfen, der sich durch die Verdrängung der Wohnfunktion durch Handels- und Dienstleistungseinrichtungen, aber auch durch die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen äußert. Die mangelhafte infrastrukturelle Erschließung der Innenstadt und die ungeklärten Eigentumsfragen führten neben anderen rechtlichen und ökonomischen Faktoren (z. B. zeitlich befristete Sonderabschreibungen) zur Entstehung von ausgedehnten Gewerbegebieten und großen Einzelhandelseinrichtungen am Stadtrand bzw. in den mit neuen Rechten ausgestatteten Umlandgemeinden. Das Prinzip “Rückgabe vor Entschädigung” hemmte aufgrund unklarer Eigentumsverhältnisse die Investitionstätigkeit in vernachlässigte Wohngebäude, so daß mögliche Zuwanderer wegen der zügigen Baulandausweisung im Umland dorthin zogen. Alle kernstädtischen Wohnquartiere waren von starken Bevölkerungsverlusten betroffen. Die Abwanderungsströme richteten sich zunächst auf die alten Länder, ab 1992/93 vermehrt auf die neu entstandenen Wohngebiete im Umland. Der markante Bevölkerungsverlust nach 1988 konnte erst wieder mit den Eingemeindungen Mitte 1994 ausgeglichen werden.

Als persistentes bzw. an Traditionen anknüpfendes Element zeigt sich, basierend auf den natürlichen Standortfaktoren und den baulich-räumlichen Gegebenheiten, der soziale Status der Wohngebiete. So können insbesondere die Villengebiete im Süden der Stadt, die auch zu DDR-Zeiten bevorzugter Wohnstandort der Führungselite waren, an ihren Vorkriegsstatus als Oberschichtwohngebiete anknüpfen. Während die traditionell von Arbeiter- und Kleinbürgerhaushalten bewohnten gründerzeitlichen Wohnquartiere zumindest in Teilbereichen eine Aufwertung erfahren, fallen die einst begehrten sozialistischen Plattenbausiedlungen in ihrer relativen Position stetig zurück, da sowohl das Wohnumfeld als auch die sanitäre Ausstattung und der Zuschnitt der Wohnungen immer weniger den gestiegenen Ansprüchen genügen.

Der Flächennutzungswandel im Raum Erfurt findet seinen Niederschlag vor allem in Gewerbestandorten “auf der grünen Wiese” sowie suburbanen Ein- und Mehrfamilienhausgebieten mit häufig monotonen Hausformen und Gestaltungselementen. Gewerbliche, militärische oder agrarische Brachen spielen bei der Erschließung nur eine untergeordnete Rolle. Eine Ausnahme bilden lediglich ehemalige LPG-Gebäude, die vor allem in der unmittelbaren Nachwendezeit in Verkaufseinrichtungen oder Lager umfunktioniert wurden. Agrarische Brachen sind aufgrund der hohen Bodengüte im Thüringer Becken kaum zu verzeichnen, die Neubebauung ehemals militärisch oder industriell genutzter Flächen wird vor allem durch die Altlastenproblematik und die bisweilen ungeklärten Eingentumsfragen erschwert.

Vor allem jene Gemeinden weisen eine dynamische Entwicklung auf, die sich durch günstige Standortbedingungen (z. B. Nähe zur Autobahn, landschaftliche Attraktivität) auszeichnen. Dies gilt sowohl für Gewerbe- als auch für Wohnungbauprojekte. In denjenigen Gemeinden, in denen die Neubaugebiete bereits fertiggestellt sind, waren in den letzten Jahren enorme Bevölkerungszuwächse zu verzeichnen, die einerseits von Abwanderern aus der Kernstadt, aber auch von Zuwanderern aus anderen Regionen (alte Bundesländer) getragen werden. Demgegenüber stehen periphere Gemeinden, in denen nach wie vor Abwanderungstendenzen und ein negativer Saldo der natürlichen Bevölkerungsentwicklung zu verzeichnen sind.

Bedingt durch den verzögerten Aufbau der übergeordneten Planungs- und Genehmigungsinstanzen, wurden in den Jahren 1990/91 Standortentschiedungen getroffen, die sich nachteilig auf die Entwicklung des innerstädtischen Einzelhandels auswirken. Zwar war im Raum Erfurt nicht die aus anderen Regionen (bspw. Leipzig) bekannt gewordene exzessive Verkaufsflächenausweisung zu beobachten, jedoch sind auch hier mittlerweile Überkapazitäten entstanden, so daß aufgrund des nach wie vor bestehenden Kaufkraftgefälles zwischen alten und neuen Bundesländern mit Schließungen und Zusammenbrüchen zu rechnen ist.

Die Analyse der Fallstudiengebiete hat gezeigt, daß durch die quasi über Nacht erfolgte Übertragung der westlichen Regulationsmechanismen eine auf Kovergenz mit den westdeutschen Städten strebende Entwicklung in Gang gesetzt wurde. Die “nachholende Modernisierung” folgt jedoch nicht exakt allen Entwicklungsphasen der Städte in den alten Bundesländern. Vielmehr werden Etappen übersprungen und ausgelassen oder in anderer Reihenfolge bzw. parallel und häufig sehr viel schneller nachvollzogen. Diese Dynamik ist insbesondere im suburbanen Raum sowie in einigen, durch Cityerweiterungstendenzen gekennzeichnete, Altbaugebieten zu beobachten.

Viele Anzeichen sprechen dafür, daß sich in Erfurt der dynamische Entwicklungsprozeß der letzten Jahre fortsetzen und durch neue Impulse (Eröffnung der Universität, Umzug des Bundesarbeitsgerichts, Fertigstellung der ICE-Linien) noch beschleunigen wird. Die steigende Zahl der Zuwanderer – nicht zuletzt aus den alten Bundesländern –, die Anpassung der Lebens- und Wohnverhältnisse an die “westlichen” Bedingungen sowie der enorme Sanierungs- und Erneuerungsbedarf der vorhandenen Bausubstanz werden über die Jahrtausendwende hinaus für sektorale Engpässe auf dem Wohnungsmarkt sorgen. Durch die Eingemeindung der 18 neuen Stadtteile konnten erhebliche Wohnbaulandreserven hinzugewonnen werden, deren Erschließung dazu beiträgt, die abwandernden Bevölkerungsteile innerhalb der Stadtgrenzen zu halten. Es bleibt abzuwarten, ob die Suburbanisierung in den kommenden Jahren tatsächlich den aus dem Westen bekannten Umfang erreichen wird, oder ob es gelingt, durch eine zügige Modernisierung und Aufwertung der innerstädtischen Wohnquartiere (v.a. im Gründerzeitgürtel) attraktive Wohnstandorte sowohl für junge Familien als auch für die steigende Zahl der Ein- und Zwei-Personen-Haushalte zu schaffen. Für eine Ausweitung der Suburbanisierung spricht u. a. die große Zahl der zu modernisierenden Wohnungen, deren zügige Erneuerung durch eine Vielzahl von Faktoren wie ungeklärte Eingentumsverhältnisse oder mangelndes Kapital behindert wird. Dagegen sprechen beispielsweise die veränderte soziodemographische Zusammensetzung der Gesellschaft (Zunahme der Ein- und Zwei-Personen-Haushalte, steigende Zahl älterer Menschen), die gesunkene staatliche Förderung des Eigenheimbaus im Vergleich zu den siebziger Jahren im Westen, das geringere Einkommensniveau der ostdeutschen Haushalte sowie die in Planung und breite Bevölkerungsschichten vorgedrungene (ökologische) Erkenntnis der problematischen Verkehrsanbindung von Wohnstandorten im suburbanen Raum.

Die Zukunft der Großwohnsiedlungen ist schwer vorherzusagen. Es bleibt abzuwarten, ob es durch Eingriffe, die über wohnumfeldverbessernde Maßnahmen hinausgehen, gelingt, ein Absinken der Attraktivität und eine damit einhergehende soziale Erosion zu verhindern. Die derzeit zu beobachtenden Prozesse – Abwanderung einkommensstärkerer Haushalte und Zuwanderung von aus der Kernstadt verdrängten Bevölkerungsgruppen – sprechen für den Abstieg. Hinzu kommt, daß die zunehmende Zahl von neu gebauten oder modernisierten Wohnungen die zu DDR-Zeiten vergleichsweise hohe Ausstattungsqualität der Plattenbauwohnungen hinter die neuen Ausstattungsstandards zurücksinken läßt. Allein die enorme Zahl der Wohnungen in den Plattenbausiedlungen verbietet jedoch eine Übertragung der Beobachtungen aus westdeutschen oder westeuropäischen Großwohnsiedlungen. Aufgrund der spezifischen alterstrukturellen Zusammensetzung der Bewohner sind darüberhinaus infrastrukturelle Engpässe voprogrammiert.

Nach dem für viele Städte typischen Wachstum im Zeitalter der Industrialisierung und nach vier Jahrzehnten sozialistischer Prägung erhält Erfurt wiederum ein neues Gesicht. Die Spuren, die die Epoche des sozialistischen Städtebaus hinterlassen hat, werden jedoch noch viele Jahrzehnte sichtbar bleiben und eine völlige Angleichung an die physiognomische und funktionale Struktur westdeutscher Städte verhindern.

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Rezensionen

“Diese Arbeit bietet eine sehr umfassende Fallstudie über den Wandel ostdeutscher Städte nach der Wende am Beispiel Erfurts. Die Fülle der sehr aussagekräftigen Materialien ist eine Fundgrube für Klausuren. Die Online-Version könnte auch im medienorientierten Erdkundeunterricht eingesetzt werden.”
Werner Wallert, Fachberater für Erdkunde bei der Bezirksregierung Braunschweig