WINDSPERGER, Andreas / WINDSPERGER, Brigitte / TUSCHL, Richard / BOLENA, Elisabeth / KALTEIS, Carina / STREBEL, Heinz / VORBACH, Stefan / PERL, Elke / SUPPAN, Alice / NIEMETZ, Nora / CHRISTIAN, Reinhold / FEICHTINGER, Ralph / BÄUERL, Susanne / STERR, Thomas / KRAUSE, Werner / OTT, Thomas (2009): Informationssysteme für Öko-Industrie-Cluster, Fallstudie Industriegebiet Mödling. Wien: Schriftenreihe des Instituts für Unternehmungsführung und Organisation der TU Graz 05/2009

Kurzfassung

Für die Produktion von Gütern, deren Handel und deren Entsorgung nach der Nutzung einerseits, aber auch für Dienstleistungen ist der Einsatz von Energie und Ressourcen von zentraler Bedeutung. Derzeit gewinnen ökologische und ökonomische Belastungen, die hinter den Produktionsprozessen stehen, immer mehr an Bedeutung. Belastungen entstehen dabei im gesamten Lebensweg von der Rohstoffgewinnung, der Produktion und Verarbeitung sowie beim Transport von Rohstoffen und Produkten, aber auch bei der Nutzung der Produkte bis hin zur Abfallentsorgung.

Die Minimierung der Belastungen am Beginn und am Ende des Produktlebens ist durch Einsatz von nachhaltigen Produktions- und Wirtschaftsweisen unter optimaler Schließung der Stoffkreisläufe sowie durch die Nutzung von zwischenbetrieblichen Synergien möglich. In vielen Bereichen der Wirtschaft ist der Altstoffeinsatz bereits fest etabliert, wie bei Glas- und Papierrecycling. Die Verwertung weiterer, im Wirtschaftssystem anfallender, nicht mehr benötigter Materialien sollte im Rahmen des Projekts untersucht werden.

Das Projekt strebte die Entwicklung eines umfassenden, transparenten und benutzerfreundlichen Konzepts an, gemeinsam mit der WKNÖ und Betrieben in der Modellregion Mödling Möglichkeiten der umweltgerechten stofflichen Verwertung von Rückständen auszuarbeiten und auf Realisierbarkeit zu prüfen. Mehr als 50 Unternehmen der Region Mödling haben in den letzten eineinhalb Jahren am Projekt “Öko-Informations-Cluster Mödling” mitgewirkt. In thematisch gebündelten Workshops, Diskussionsrunden und persönlichen Gesprächen wurden Optionen diskutiert, die es erlauben, anfallende Reststoffe wieder in Produktionsprozesse rückzuführen. Mit wissenschaftlichen Methoden wurde untersucht, wo die Verwertung Sinn macht, d.h. wie sich die Verwertungen in ökologischer und ökono­mischer Hinsicht darstellen und wo diese beiden Aspekte zu einer Win-Win-Situation zusammenfallen.

Generell werden von den Betrieben Verwertungen begrüßt, die direkte ökonomische Vorteile bringen und die an ordnungsgemäße Verwertungsschienen übergeben werden. Die direkte zwischenbetriebliche Verwertung wurde kaum favorisiert, da bei dieser vermehrtes eigenes Engagement notwendig wäre und es dadurch auch zu einer mit Risiko behafteten Abhängigkeit zwischen den Betrieben kommt.

Die Koordination des Öko-Informations­netzwerks zeigte sich als ein entscheidender Erfolgsfaktor. Die Möglichkeiten der weiteren Umsetzung der Verwertungswege wurden mit Vertretern des Landes und der Wirtschaftskammer besprochen, mit der Behörde wurden die rechtlichen Auswirkungen diskutiert. Die NÖ Landesakademie und Umwelt Management Austria als Bildungseinrichtungen werden die Ergebnisse in Form von Wissenstransfer verbreiten.

Volltext

https://nachhaltigwirtschaften.at/resources/fdz_pdf/endbericht_0905_infosysteme_oeko_industrie_cluster.pdf?m=1469660846

OTT, Thomas / SCHARLOWSKI, Boris (2012): Demographische Entwicklung im ländlichen Raum in Burkina Faso: Stand, Konsequenzen, Ansätze und Perspektiven, Bonn / Eschborn: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

Kurzfassung

Ausgehend von der Erkenntnis, dass die Produktivitätsfortschritte der Landwirtschaft nicht mit dem rapiden Bevölkerungswachstum Burkina Fasos mithalten können, befasst sich die vorliegende, im Auftrag des GIZ Programmes « Développement de l’Agriculture » (PDA) erstellte Studie, mit der Frage, über welche Einflussmöglichkeiten der Landwirtschaftssektor im Hinblick auf die demographische Entwicklung verfügt und welche Unterstützung durch die technische Zusammenarbeit erfolgen könnte. Die Studie basiert auf einer intensiven Recherche der vorliegenden Dokumente sowie auf einer einwöchigen Fact-Finding Mission in deren Verlauf teilstrukturierte Interviews mit Mitgliedern von Regierung und Verwaltung, Repräsentanten internationaler staatlicher und nicht-staatlicher Organisation sowie Vertretern der Zivilgesellschaft geführt wurden. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden in Workshops mit Mitarbeitern EZ-Projekte PDA und PROSAD vertieft.

Die Landwirtschaft ist der wichtigste Wirtschaftssektor Burkina Fasos. Achtzig Prozent der Menschen leben von der Landwirtschaft, meist in Form der Subsistenzwirtschaft. Trotz steigender Produktivität gelingt es derzeit nicht, die Bevölkerung im Land zu ernähren. Die Probleme der Landwirtschaft in Burkina Faso sind vielfältig. Sie ist sehr anfällig für externe „Schocks“, beispielsweise im Hinblick auf das Klima oder Preisschwankungen auf dem Weltmarkt. Die Subsistenzwirtschaft ist durch hohen Arbeitseinsatz sowie den Mangel an Wissen und Kapital geprägt. Der Zugang zum Weltmarkt wird durch die Binnenlage des Landes stark beeinträchtigt. Die mangelnde Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur verhindert die Herausbildung eines nennenswerten nationalen Agrarmarktes.

Burkina Faso zählt zu den ärmsten Ländern der Welt und nimmt laut Human Development Index (2011) Rang 181 von 187 aufgeführten Ländern ein. 2011 lebten in Burkina Faso rund 16 Millionen Menschen, das Bevölkerungswachstum liegt bei jährlich knapp über 3 Prozent. Es wird eine weitere Verdopplung der Bevölkerung in den nächsten 25 Jahren prognostiziert. Der Zensus 2006 ermittelte einen landesweiten Durchschnitt von 6,2 Kindern pro Frau (TFR). Es zeigen sich jedoch auffällige Gegensätze zwischen Stadt und Land: während die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Frau im ländlichen Raum bei 6,8 liegt, beträgt die TFR „nur“ 4,6 für die in Städten lebenden Frauen. Weitere Unterschiede ergeben sich in Abhängigkeit von Familienstand und Armut sowie insbesondere im Hinblick auf den Schulbesuch. Frauen ohne Schulbildung weisen mit einer TFR von 6,5 signifikant höhere Werte auf, als Frauen mit Grundschulbildung (4,9), Frauen, die eine weiterführende Schule (3,4) besucht haben oder Frauen mit höherer Bildung (2,4).

Fortschritte beim Aufbau der Gesundheits- und Trinkwasserversorgung sowie eine Verbesserung der Nahrungssituation führten zu einem deutlichen Rückgang der Mortalität und einem Anstieg der Lebenserwartung. Dennoch weist Burkina Faso nach wie vor eine der höchsten Müttersterblichkeitsraten in ganz Afrika auf, was auf das niedrige Niveau der sozioökonomischen Entwicklung des Landes und das hohe Fertilitätsniveau zurückzuführen ist. Das Wanderungsgeschehen ist einerseits durch die (temporäre) Migration in die Nachbarländer (insbesondere Côte d’Ivoire) und andererseits durch eine anhaltende Landflucht gekennzeichnet. Aufgrund der sehr viel höheren Fertilität im ländlichen Raum wächst die ländliche Bevölkerung derzeit noch schneller als die Stadtbevölkerung.

Die demographische Dynamik zwischen 1950 und 2010 schlägt sich deutlich in der Bevölkerungspyramide nieder. Durch den Rückgang der Mortalität und den Anstieg der Lebenserwartung ist sie in die Höhe gewachsen, die Menschen werden älter. Die hohe Fertilität schlägt sich in der extremen Verbreiterung der Pyramidenbasis und der explosionsartigen Zunahme der jungen Altersgruppe nieder. Im Zensus 2006 waren 48 % der Bevölkerung jünger als 15 Jahre. Legt man die Daten der UN zugrunde, wird sich die Bevölkerungszahl Burkina Fasos von etwa 16,5 Millionen Einwohnern 2010 auf etwa 46,7 Millionen 2050 steigern (mittleres Szenario). Im besten Fall (niedriges Szenario) steigt die Zahl auf etwa 41,8 Millionen Einwohner. Der obere Rand des Entwicklungskorridors liegt bei 51, 8 Millionen Einwohnern. Bliebe die Fertilität auf heutigem Niveau wären gar 61,3 Millionen Einwohner zu erwarten. In der Zusammenschau der Entwicklung von Geburten- und Sterberate wird deutlich, dass im wahrscheinlichsten Fall (mittleres Szenario) erst nach 2100 mit einem Abschluss der demographischen Transition zu rechnen ist. Das Land muss bestrebt sein, diesen Zeitpunkt so weit wie möglich in Richtung Gegenwart zu verschieben.

Auf nationaler Ebene begegnet die Regierung der demographischen Herausforderung mit einer dezidierten „Politique Nationale de Population“. Mit der Erarbeitung und Umsetzung dieser Politik ist der Conseil National de Population (CONAPO) beauftragt. Auch wenn die Arbeit des CONAPO insgesamt positiv zu würdigen ist, bestehen Defizite bei der Umsetzung der bevölkerungspolitischen Ziele in konkrete Projekte in den Regionen und Kommunen des Landes. Als Pluspunkt ist daneben die Arbeit des Institut National de la Statistique et de la Démographie (INSD) zu bewerten, welches für die Durchführung und Analyse der Volkszählungen verantwortlich zeichnet.

Die Studie zeigt interessante und wirkungsvolle Ansätze von internationalen, bilateralen und Nichtregierungsorganisationen auf. Dabei wird deutlich, dass das komplexe Thema Bevölkerungsdynamik nur gemeinsam angegangen werden kann in einer gezielten Zusammenarbeit unter Nutzung bestehender und Schaffung neuer Synergien. Gleiches gilt für die EZ-Vorhaben, die im Auftrag des BMZ durchgeführt werden. Alle Vorhaben weisen deutliche demographische Bezüge auf. Eine verstärkte Zusammenarbeit, mit Fokus auf demographische Herausforderungen und Chancen könnten sicher einen sichtbaren Mehrwert zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes leisten.

Ausführlich behandelt der Bericht das Thema Empfehlungen in Bezug auf Bevölkerungsentwicklung, ländlicher Raum und generell in Bezug auf das Thema Demographie. Die hier aufgenommenen Vorschläge verstehen sich im Sinne eines möglichen Maßnahmenkatalogs und könnten auf Nachfrage weiter vertieft werden. Die Vorschläge wenden sich an die TZ/EZProgramme, Partnerorganisationen und politisches Umfeld. Sie beziehen sich im Wesentlichen auf die laufenden bilateralen EZ-Vorhaben, wollen aber auch zukünftige Projekte bzw. Komponenten anregen, wie etwa ein eigenständiges demographie-bezogenes Politikberatungsvorhaben.

Die Vorschläge sind unterteilt nach den drei Ebenen national, regional und lokal. Sie reichen von der Sensibilisierung und dem Training von Entscheidungsträgern und Multiplikatoren, Anpassung der nationalen Bevölkerungspolitik, Stärkung interministerieller Koordination bis hin zur Entwicklung regionaler Demographiepläne sowie innovativer Maßnahmen auf lokaler und Gemeindeebene. Zu letzteren gehören vor allem die Durchführung lokaler Aufklärungskampagnen sowie Diskussions- und Lernforen inklusive Generationendialogen. Wichtig ist die Etablierung von effektiven Monitoringsystemen, damit die Integration einer demographischen Perspektive auch nachhaltig ist.

Volltext

OTT, Thomas / SWIACZNY, Frank (2001): Time-integrative GIS. Management and analysis of spatio-temporal data, Berlin / Heidelberg / New York: Springer

Kurzfassung

The book deals with the integration of temporal information in Geographic Information Systems. The main purpose of an historical or time-integrative GIS is to reproduce spatio- temporal processes or sequents of events in the real world in the form of a model. The model thus making them accessible for spatial query, analysis and visualization. This volume reflects both theoretical thoughts on the interrelations of space and time, as well as practical examples taken from various fields of application (e.g. business data warehousing, demographics, history and spatial analysis).

Volltext

Leseproben und eine vollständige eBook-Ausgabe sind auf der Seite des Springer-Verlages erhältlich:
http://www.springer.com/gp/book/9783540410164

Rezensionen

“In keeping with their promise of a solutions-oriented approach to presenting time in GIS, the authors give a wealth of interesting examples.”
Environment and Planning b vol 30, no. 3, 2003, pp. 465-466

“Mensen die nog nooit met GIS hebben gewerkt, maar dit overwegen te doen, hebben hier echter een prima GIS-leeboek mee in handen. In de breedte worden beginnende gebruikers goed op weg geholpen, terwijl er ruim voldoende verwijzingen (onder meer een literatuurlist van 53 pagina’s) zijn om diepere kennis op te doen.”
Kartografisch Tijdschrift vol. XXVII, no. 4, 2001, S. 59-60

 

OTT, Thomas / TIEDEMANN, Paul (1999): Internet für Geographen. Eine praxisorientierte Einführung, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft / Primus

Kurzfassung

Über die Chancen und Möglichkeiten, die das Internet für die Informationsbeschaffung und Bildung im weiteren Sinne bietet, zu schreiben, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Seit einigen Jahren ist das Internet, nicht zuletzt durch zahllose Berichte der Massenmedien, in aller Munde. Beobachtet man die Szenerie jedoch genauer, kann man bei vielen Benutzern ein interessantes Phänomen feststellen: Die anfängliche Euphorie angesichts der zahllosen Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten weicht häufig einer Frustration, da im scheinbar undurchdringlichen Informationsdickicht die benötigten Informationen und Daten nur schwer oder überhaupt nicht aufgespürt werden können. Unser Buch versteht sich in diesem Sinne als Pfadfinder und Wegweiser, das Sie in verständlicher Form mit den technischen Grundlagen des Internet vertraut macht, Sie anhand fachspezifischer Beispiele zu den gewünschten Informationen führt und Ihnen Navigationshilfen für Ihre persönlichen Expeditionen durch den Datendschungel an die Hand gibt.

“The world at your fingertips”, so lautet einer der Slogans, mit denen das Internet an Popularität gewann. Kennt man die richtigen Adressen, läßt sich der alte Traum vom “fliegenden Klassenzimmer” per Mausklick realisieren. Man besucht die Vulkane auf Hawaii und lernt ihre Geologie kennen oder man kommuniziert mit Forschern der Mawson-Station in der Antarktis. Zahllose virtuelle Exkursionen warten nur auf neue Teilnehmer.

Das Internet bietet einen unerschöpflichen Fundus an digitalen Daten, Karten und Satellitenbildern, die Lehrer, Studierende und Forschende für eigene Projekte oder den Einsatz im Unterricht benötigen. Diese stammen entweder von statistischen Behörden, Hochschulen und sonstigen Forschungseinrichtungen oder kommerziellen Anbietern. Hinzu kommt die Suche nach fachspezifischer Software, etwa Kartographieprogramme oder Geographische Informationssysteme, die oft auch als Shareware kostenlos kopiert werden können. Rund um die Uhr vom eigenen Schreibtisch zugängliche Online-Kataloge erschließen das gesamte gedruckte Wissen der Menschheit. In wachsendem Umfang wird das Internet selbst zur Veröffentlichungsplattform geographischer Publikation. Neben etablierte Schriftenreihen und Zeitschriften, die oft Kurzfassungen ihrer Beiträge im Netz anbieten, treten neue Online-Publikationen, die die Vorteile des neuen Mediums nutzen. Studierende und Lehrende sind nicht nur auf das publizierte Wissen angewiesen. Persönliche Kontakte und Diskussionen sind ein wesentlicher Bestandteil des Forschungsprozesses. Im Internet finden diese Diskussionen in Newsgroups und Mailing-Listen statt, die häufig die Interessenten eines Teilgebietes, eines Kulturkreises bzw. Landes oder eines speziellen Softwareproduktes unter ihrem Dach vereinen. Ohne allzu großen Aufwand und ohne nennenswerten Zeitverlust ist jederzeit die Rückkoppelung mit demjenigen möglich, der sich im Internet per E-Mail oder via Website zu Wort gemeldet hat. Noch während der Lektüre seines Textes kann man Rückfragen stellen. Überhaupt ist die schnelle und unkonventionelle Kommunikation, die die fachliche Diskussion – nahezu in Echtzeit – über Kontinente hinweg möglich macht, sicher einer der herausragendsten Vorteile des Internet. Ein weiterer Nutzen für den Geographen liegt in der schnellen Information über neue Forschungsprojekte oder aktuelle Tagungs- und Kongreßberichte, die in Zusammenhang mit der eigenen Arbeit stehen. Nicht zuletzt ist auch daran zu denken, daß das Internet die Möglichkeit bietet, ohne den Flaschenhals von Redaktionen und Verlagen eigene Texte zu veröffentlichen.

Das Buch enthält neben einer allgemeinen Einführung in das Internet und Informationen zum Publizieren im Internet eine umfangreiche Sammlung von Internetadressen (Links), die für Geographen und Geowissenschaftler von Interesse sind. Diese Sammlung ist wie folgt gegliedert:

  • Geographische Internet-Verzeichnisse
  • Geographische Verbände und Gesellschaften
  • Geographische Institute und Arbeitsgruppen
  • Physische Geographie
  • Anthropogeographie
  • Länderkundliche Informationen
  • Virtuelle Exkursionen
  • Geographische (Online-)Publikationen
  • Materialien für den Unterricht
  • Kartographie und GIS im Internet
  • Geographische Software zum Download
  • Quellen für Statistiken und Fernerkundungsdaten
  • Regierungsbehörden / internationale Organisationen
  • Sonstige Geographie-relevante Seiten
  • Mailing Lists (Listserver)
  • Geographische Newsgroups und Chats
  • Suchmaschinen

Rezensionen

Petermanns Geographische Mitteilungen 143 (1999), S. 76
“Durch seinen logischen Aufbau und seine gut verständliche Sprache, die auf unnötigen theoretischen Ballast verzichtet, stellt ‘Internet für Geographen’ einen geeigneten Begleiter für die ersten Schritte in den weltweiten Datennetzen dar, der angesichts des Preises auch für Studierende interessant sein dürfte. Die Vielzahl und geschickte Auswahl der vorgestellten Internetangebote zeigt die ganze Bandbreite der verfügbaren Themen und regt dazu an, sich intensiver mit dem Internet als Quelle für die eigene Arbeit zu beschäftigen.”

Praxis Geographie 9 (1999), S. 48
“Der Band hebt sich in seiner Verständlichkeit und seiner gut recherchierten und kommentierten Adressen wohltuend von ähnlichen Büchern ab. Er ist jedem interessierten Fachkollegen und als Grundausstattung in Schulbibliotheken zu empfehlen.”

Kritische Geographie, Informationen 3 (1999), S. 3
“Für den Leser besonders nützlich ist der rund 60 Seiten umfassende Teil II, nämlich eine gut strukturierte und kommentierte Sammlung geographischer Links. (…) Ein weiterführendes Literaturverzeichnis und ein Glossar technischer Begriffe beschließen dieses summa summarum sehr empfehlenswerte Buch.”

OTT, Thomas (1993): GIS in der Anthropogeographie. Regionale Disparitäten und Städtesystem in Europa. Materialien zur Geographie 22, Mannheim: Geographisches Institut

 

Kurzfassung

Mit den Begriffen “GIS” und “regionale Disparitäten” beinhaltet der Titel der vorliegenden Arbeit zwei Reizworte der geographischen Diskussion. Während Geographische Informationssysteme in Nordamerika und vielen europäischen Staaten längst als wichtige Methode in die geographische Forschung und Lehre Eingang gefunden haben, ist ihr Einsatz in der deutschen Geographie umstritten. Zugleich distanzieren sich viele “Nichtgeographen” von den geographischen Wurzeln der GIS-Technologie, was sich beispielsweise in der verkürzten Bezeichnung “Geo-Informationssysteme” äußert. Von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen liegt das Einsatzfeld Geographischer Informationssysteme bislang im Bereich der Physischen Geographie bzw. der Geoökologie.

Mit dem Start des Binnenmarkts am 1. Januar 1993 hat die europäische Integration eine neue Stufe erreicht. Die Städte und Regionen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft befinden sich dabei in einem intensiven Standortwettbewerb um die Ansiedlung zukunftsorientierter Unternehmen. Gleichzeitig haben die politischen Umwälzungen in Osteuropa zum Wiederaufbrechen überwunden geglaubter politischer Spannungen geführt. Beide Vorgänge haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun, bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, daß in beiden Fällen regionale Disparitäten eine wesentliche Rolle spielen. Regionalistische Bestrebungen (z.B. Spaltung der CSFR, Wahlerfolge der “Lega Lombarda” in Italien) haben meist wirtschaftliche Hintergründe, d.h. sie sind Ausdruck eines regionalen Entwicklungsgefälles. Ebenso wird die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Regionen im Standortwettbewerb im wesentlichen durch die Ressourcenausstattung und Wirtschaftsstruktur bestimmt.

Die vorliegende Arbeit verfolgt daher zwei Ziele:

  1. Die Einsatzmöglichkeiten Geographischer Informationssysteme zur Bearbeitung anthropogeographischer Fragestellungen sollen exemplarisch aufgezeigt werden.
  2. Die regionalen Disparitäten innerhalb Europas bzw. der Europäischen Gemeinschaft sowie die möglichen Ursachen und Folgen sollen beschrieben und analysiert werden.

Der eigentlichen Arbeit vorangestellt ist ein Überblick über die grundlegenden Prinzipien und Arbeitsweisen Geographischer Informationssysteme (Kapitel 2). Zentrales Thema ist dabei das Spannungsverhältnis von GIS und Geographie. Einerseits liefert die Geographie wichtige theoretische Grundlagen zur GIS-Technologie, andererseits bereichern Geographische Informationssysteme das methodische Spektrum der Geographie.

In Kapitel 3 werden die theoretischen Grundlagen der Analyse regionaler Disparitäten dargestellt. Neben einer Übersicht der wichtigsten regionalen Entwicklungstheorien, nimmt die Frage der Auswahl geeigneter Entwicklungsindikatoren breiten Raum ein. Es folgt eine Beschreibung des Aufbaus des Geographischen Informationssystems EU-REGIS, das als Grundlage der vorliegenden Untersuchung diente. Zudem werden die verwendeten Datenquellen, die räumliche Bezugsebene der Daten und die ausgewählten Indikatoren kritisch diskutiert. Die Rahmenbedingungen der räumlichen Entwicklung in Europa sind Gegenstand der Betrachtungen im vierten Kapitel. Neben den wichtigsten ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungstrends, werden die wirtschaftlichen und räumlichen Folgen des europäischen Einigungsprozesses erörtert. Der fünfte Abschnitt beschäftigt sich mit bevölkerungsgeographischen Fragestellungen. Dabei stehen Fragen der Bevölkerungsverteilung bzw. Bevölkerungsdichte sowie das europäische Städtesystem und die Frage nach der Attraktivität und den Problemen der Verdichtungsräume im Vordergrund. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt in Kapitel 6, das sich mit den wirtschaftlichen Entwicklungsunterschieden und den dafür verantwortlichen Prozessen und Strukturen befaßt. Nach einer Analyse der wirtschaftlichen Leistungskraft der Regionen erfolgt eine sektorale Betrachtung, wobei der Versuch unternommen wird, die Regionen der EG nach dem vorherrschenden Wirtschaftssektor zu typisieren. Ein wichtiger Indikator wirtschaftlicher Anpassungs- und Strukturprobleme ist die Arbeitslosigkeit, deren regionale Schwankungen ebenfalls beleuchtet werden sollen. Abschließend werden mit den Themenkomplexen “Infrastruktur” und “Technologiepolitik” zwei zentrale Engpaßfaktoren der Regionalentwicklung diskutiert. Kapitel 7 beschäftigt sich mit den Lebensbedingungen der Bevölkerung in den europäischen Regionen. Anhand ausgewählter Indikatoren zum Lebensstandard, zur medizinischen Versorgung und zur Umweltbelastung werden Fragen der Lebensqualität thematisiert. Im achten Kapitel wird der Versuch unternommen, einen möglichen Zusammenhang zwischen Naturraumpotential und wirtschaftlichem Entwicklungsstand der Regionen nachzuweisen. Die Kapitel 9 und 10 runden mit einer Betrachtung der europäischen Raumordnungs- und Regionalpolitik bzw. den möglichen Folgen zukünftiger EG-Erweiterungen die Arbeit ab. In der Schlußbetrachtung (Kapitel 11) werden die gewonnenen Erkenntnisse in einer Synthese zusammengefaßt. In einem Fazit aus methodischer Sicht sollen abschließend die Vor- und Nachteile des GIS-Einsatzes gegenübergestellt und bewertet werden. Der Arbeit angefügt sind zwei Tabellen mit den wichtigsten Kennziffern der europäischen Regionen und Agglomerationen.

Volltext

OTT, Thomas (1997): Erfurt im Transformationsprozeß der Städte in den neuen Bundesländern. Ein regulationstheoretischer Ansatz. Erfurter Geographische Studien 6, Erfurt: Institut für Geographie

Kurzfassung

Am Vorabend der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten bot die Stadt Erfurt das typische Bild einer “real existierenden” sozialistischen Stadt in der DDR: Sie entsprach zwar nicht den utopischen Vorstellungen einer idealtypischen sozialistischen Stadt, aber in ihrer baulichen Substanz wie in ihrer funktionalen Struktur spiegelten sich die städtebaulichen Entwicklungen einer 40 Jahre andauernden Epoche zentralistisch-diktatorischer und planwirtschaftlicher Entscheidungsstrukturen. Obwohl die Stadt von größeren Schäden im Zweiten Weltkrieg verschont blieb, führte der Großplattenbau seit den sechziger Jahren zu empfindlichen Zerstörungen der Stadtstruktur in den Randbereichen der mittelalterlichen Stadt und den Übergängen zu den gründerzeitlichen Stadterweiterungen. Zwar blieb der Altstadtkern im wesentlichen unangetastet, jedoch haben die großflächigen sozialistischen Wohn- und Industriegebiete im Norden und Süden die Stadt überformt und nachhaltig geprägt. Abgesehen von der geplanten, aber nicht realisierten Höhendominante sind die physiognomisch-funktionalen Kennzeichen sozialistischen Städtebaus auch in Erfurt zu finden. Die nach dem Zweiten Weltkrieg neu entstandenen Wohnkomplexe und -siedlungen spiegeln die jeweils gültigen Grundsätze des sozialistischen Städtebaus der DDR wieder, wobei aufgrund des geringen Zerstörungsgrades der Wohnsubstanz und des Aufbaus der metallverarbeitenden und elektrotechnischen Industrie das zahlenmäßige Schwergewicht des Erfurter Wohnungsbaus auf den Bauformen der siebziger und achtziger Jahre liegt.

Die baulichen Strukturen fanden ihre soziale Entsprechung in der sozioökonomischen Struktur der Bevölkerung. In den Neubaugebieten der siebziger und achtziger Jahre war am Ende eine vergleichsweise ausgewogene Zusammensetzung der Einwohner gegeben, wobei allerdings durch die Vergabekriterien eine auffällige altersmäßige Schichtung bestand. In Abhängigkeit vom sanitären und baulichen Zustand der Wohnungen ergab sich in den Altbaubeständen demgegenüber eine stärkere Segregation einzelner Bevölkerungsgruppen, die im wesentlichen die Vorkriegszustände fortschrieb: die Villengebiete im Süden und Westen behielten ihren gehobenen Status und waren bevorzugte Wohnstandorte für Angehörige der Nomenklatur von Partei und Staat. Die traditionellen Arbeiterwohngebiete im Osten und Norden sanken durch die schlechte Ausstattung und den fortschreitenden baulichen Verfall immer weiter hinter die Neubaugebiete zurück, so daß am Ende eine deutliche Überalterung der Bevölkerung sowie eine Konzentration sozialer Problemfälle zu beobachten war.

Der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik hatte weitreichende Auswirkungen auf die innere Differenzierung der Stadt sowie auf die Stadt-Umland-Beziehungen. Mit der Übertragung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Regulationssystems aus der alten Bundesrepublik wurde in vielen Bereichen eine schlagartige Umkehr der bisherigen Entwicklung in Gang gesetzt. Während bis 1989 die Konzentration des Wohnungsbaus auf die damalige Bezirksstadt eine kontinuierliche Zunahme der Einwohnerzahlen verursachte, dokumentierte der Bevölkerungsrückgang im Landkreis Erfurt die Vernachlässigung ländlicher Siedlungen und das Fehlen jeglicher Suburbanisierung. Diese setzte erst nach 1990 ein und zeigt sich am Einwohnerzuwachs der Umlandgemeinden. In der Altstadt führte das kapitalistische Bodenwertgefüge zur Herausbildung einer City, die sich auch auf benachbarte Bereiche ausdehnte. Insbesondere die gründerzeitlichen Wohnquartiere sind einem überwiegend exogen gesteuerten Umnutzungsdruck unterworfen, der sich durch die Verdrängung der Wohnfunktion durch Handels- und Dienstleistungseinrichtungen, aber auch durch die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen äußert. Die mangelhafte infrastrukturelle Erschließung der Innenstadt und die ungeklärten Eigentumsfragen führten neben anderen rechtlichen und ökonomischen Faktoren (z. B. zeitlich befristete Sonderabschreibungen) zur Entstehung von ausgedehnten Gewerbegebieten und großen Einzelhandelseinrichtungen am Stadtrand bzw. in den mit neuen Rechten ausgestatteten Umlandgemeinden. Das Prinzip “Rückgabe vor Entschädigung” hemmte aufgrund unklarer Eigentumsverhältnisse die Investitionstätigkeit in vernachlässigte Wohngebäude, so daß mögliche Zuwanderer wegen der zügigen Baulandausweisung im Umland dorthin zogen. Alle kernstädtischen Wohnquartiere waren von starken Bevölkerungsverlusten betroffen. Die Abwanderungsströme richteten sich zunächst auf die alten Länder, ab 1992/93 vermehrt auf die neu entstandenen Wohngebiete im Umland. Der markante Bevölkerungsverlust nach 1988 konnte erst wieder mit den Eingemeindungen Mitte 1994 ausgeglichen werden.

Als persistentes bzw. an Traditionen anknüpfendes Element zeigt sich, basierend auf den natürlichen Standortfaktoren und den baulich-räumlichen Gegebenheiten, der soziale Status der Wohngebiete. So können insbesondere die Villengebiete im Süden der Stadt, die auch zu DDR-Zeiten bevorzugter Wohnstandort der Führungselite waren, an ihren Vorkriegsstatus als Oberschichtwohngebiete anknüpfen. Während die traditionell von Arbeiter- und Kleinbürgerhaushalten bewohnten gründerzeitlichen Wohnquartiere zumindest in Teilbereichen eine Aufwertung erfahren, fallen die einst begehrten sozialistischen Plattenbausiedlungen in ihrer relativen Position stetig zurück, da sowohl das Wohnumfeld als auch die sanitäre Ausstattung und der Zuschnitt der Wohnungen immer weniger den gestiegenen Ansprüchen genügen.

Der Flächennutzungswandel im Raum Erfurt findet seinen Niederschlag vor allem in Gewerbestandorten “auf der grünen Wiese” sowie suburbanen Ein- und Mehrfamilienhausgebieten mit häufig monotonen Hausformen und Gestaltungselementen. Gewerbliche, militärische oder agrarische Brachen spielen bei der Erschließung nur eine untergeordnete Rolle. Eine Ausnahme bilden lediglich ehemalige LPG-Gebäude, die vor allem in der unmittelbaren Nachwendezeit in Verkaufseinrichtungen oder Lager umfunktioniert wurden. Agrarische Brachen sind aufgrund der hohen Bodengüte im Thüringer Becken kaum zu verzeichnen, die Neubebauung ehemals militärisch oder industriell genutzter Flächen wird vor allem durch die Altlastenproblematik und die bisweilen ungeklärten Eingentumsfragen erschwert.

Vor allem jene Gemeinden weisen eine dynamische Entwicklung auf, die sich durch günstige Standortbedingungen (z. B. Nähe zur Autobahn, landschaftliche Attraktivität) auszeichnen. Dies gilt sowohl für Gewerbe- als auch für Wohnungbauprojekte. In denjenigen Gemeinden, in denen die Neubaugebiete bereits fertiggestellt sind, waren in den letzten Jahren enorme Bevölkerungszuwächse zu verzeichnen, die einerseits von Abwanderern aus der Kernstadt, aber auch von Zuwanderern aus anderen Regionen (alte Bundesländer) getragen werden. Demgegenüber stehen periphere Gemeinden, in denen nach wie vor Abwanderungstendenzen und ein negativer Saldo der natürlichen Bevölkerungsentwicklung zu verzeichnen sind.

Bedingt durch den verzögerten Aufbau der übergeordneten Planungs- und Genehmigungsinstanzen, wurden in den Jahren 1990/91 Standortentschiedungen getroffen, die sich nachteilig auf die Entwicklung des innerstädtischen Einzelhandels auswirken. Zwar war im Raum Erfurt nicht die aus anderen Regionen (bspw. Leipzig) bekannt gewordene exzessive Verkaufsflächenausweisung zu beobachten, jedoch sind auch hier mittlerweile Überkapazitäten entstanden, so daß aufgrund des nach wie vor bestehenden Kaufkraftgefälles zwischen alten und neuen Bundesländern mit Schließungen und Zusammenbrüchen zu rechnen ist.

Die Analyse der Fallstudiengebiete hat gezeigt, daß durch die quasi über Nacht erfolgte Übertragung der westlichen Regulationsmechanismen eine auf Kovergenz mit den westdeutschen Städten strebende Entwicklung in Gang gesetzt wurde. Die “nachholende Modernisierung” folgt jedoch nicht exakt allen Entwicklungsphasen der Städte in den alten Bundesländern. Vielmehr werden Etappen übersprungen und ausgelassen oder in anderer Reihenfolge bzw. parallel und häufig sehr viel schneller nachvollzogen. Diese Dynamik ist insbesondere im suburbanen Raum sowie in einigen, durch Cityerweiterungstendenzen gekennzeichnete, Altbaugebieten zu beobachten.

Viele Anzeichen sprechen dafür, daß sich in Erfurt der dynamische Entwicklungsprozeß der letzten Jahre fortsetzen und durch neue Impulse (Eröffnung der Universität, Umzug des Bundesarbeitsgerichts, Fertigstellung der ICE-Linien) noch beschleunigen wird. Die steigende Zahl der Zuwanderer – nicht zuletzt aus den alten Bundesländern –, die Anpassung der Lebens- und Wohnverhältnisse an die “westlichen” Bedingungen sowie der enorme Sanierungs- und Erneuerungsbedarf der vorhandenen Bausubstanz werden über die Jahrtausendwende hinaus für sektorale Engpässe auf dem Wohnungsmarkt sorgen. Durch die Eingemeindung der 18 neuen Stadtteile konnten erhebliche Wohnbaulandreserven hinzugewonnen werden, deren Erschließung dazu beiträgt, die abwandernden Bevölkerungsteile innerhalb der Stadtgrenzen zu halten. Es bleibt abzuwarten, ob die Suburbanisierung in den kommenden Jahren tatsächlich den aus dem Westen bekannten Umfang erreichen wird, oder ob es gelingt, durch eine zügige Modernisierung und Aufwertung der innerstädtischen Wohnquartiere (v.a. im Gründerzeitgürtel) attraktive Wohnstandorte sowohl für junge Familien als auch für die steigende Zahl der Ein- und Zwei-Personen-Haushalte zu schaffen. Für eine Ausweitung der Suburbanisierung spricht u. a. die große Zahl der zu modernisierenden Wohnungen, deren zügige Erneuerung durch eine Vielzahl von Faktoren wie ungeklärte Eingentumsverhältnisse oder mangelndes Kapital behindert wird. Dagegen sprechen beispielsweise die veränderte soziodemographische Zusammensetzung der Gesellschaft (Zunahme der Ein- und Zwei-Personen-Haushalte, steigende Zahl älterer Menschen), die gesunkene staatliche Förderung des Eigenheimbaus im Vergleich zu den siebziger Jahren im Westen, das geringere Einkommensniveau der ostdeutschen Haushalte sowie die in Planung und breite Bevölkerungsschichten vorgedrungene (ökologische) Erkenntnis der problematischen Verkehrsanbindung von Wohnstandorten im suburbanen Raum.

Die Zukunft der Großwohnsiedlungen ist schwer vorherzusagen. Es bleibt abzuwarten, ob es durch Eingriffe, die über wohnumfeldverbessernde Maßnahmen hinausgehen, gelingt, ein Absinken der Attraktivität und eine damit einhergehende soziale Erosion zu verhindern. Die derzeit zu beobachtenden Prozesse – Abwanderung einkommensstärkerer Haushalte und Zuwanderung von aus der Kernstadt verdrängten Bevölkerungsgruppen – sprechen für den Abstieg. Hinzu kommt, daß die zunehmende Zahl von neu gebauten oder modernisierten Wohnungen die zu DDR-Zeiten vergleichsweise hohe Ausstattungsqualität der Plattenbauwohnungen hinter die neuen Ausstattungsstandards zurücksinken läßt. Allein die enorme Zahl der Wohnungen in den Plattenbausiedlungen verbietet jedoch eine Übertragung der Beobachtungen aus westdeutschen oder westeuropäischen Großwohnsiedlungen. Aufgrund der spezifischen alterstrukturellen Zusammensetzung der Bewohner sind darüberhinaus infrastrukturelle Engpässe voprogrammiert.

Nach dem für viele Städte typischen Wachstum im Zeitalter der Industrialisierung und nach vier Jahrzehnten sozialistischer Prägung erhält Erfurt wiederum ein neues Gesicht. Die Spuren, die die Epoche des sozialistischen Städtebaus hinterlassen hat, werden jedoch noch viele Jahrzehnte sichtbar bleiben und eine völlige Angleichung an die physiognomische und funktionale Struktur westdeutscher Städte verhindern.

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Rezensionen

“Diese Arbeit bietet eine sehr umfassende Fallstudie über den Wandel ostdeutscher Städte nach der Wende am Beispiel Erfurts. Die Fülle der sehr aussagekräftigen Materialien ist eine Fundgrube für Klausuren. Die Online-Version könnte auch im medienorientierten Erdkundeunterricht eingesetzt werden.”
Werner Wallert, Fachberater für Erdkunde bei der Bezirksregierung Braunschweig

LENTZ, Sebastian / LUKHAUP, Rainer / NEFF, Christophe / OTT, Thomas / SWIACZNY, Frank (Eds.) (1996): Beiträge zur Geographischen Methode und Landeskunde II. Gedenkschrift für Rainer Joha Bender. Mannheimer Geographische Arbeiten 44, Mannheim: Geographisches Institut. (ISBN 3-923750-66-8)