Manche Beschlussvorlagen im Gemeinderat sind schwierig: man muss sich in den Sachverhalt einarbeiten, widerstrebende Interessen abwägen und die finanziellen, ökologischen und sozialen Folgen abschätzen. Ganz anders der Beschluss zum Tagesordnungspunkt 7 auf der jüngsten Sitzung des Gemeinderates, bei dem es nicht viel zum Überlegen gab. Hier meine Stellungnahme zur “Heidi-Mohr-Halle”:

Heidi Mohr begeisterte mich für den Frauenfußball lange bevor es meine eigene Tochter konnte.

Unvergessen bleibt mir ihr Tor des Monats aus dem Endspiel der EM 1991, als sie den Ball am eigenen Strafraum eroberte und mit einem Sololauf die halbe norwegische Mannschaft ausspielte.

Als gebürtiger Pfälzer kannte ich sie als Spielerin der TUS Niederkirchen. Nach Weinheim kam ich erst nach Ende ihrer aktiven Laufbahn. Ich kann daher nicht über die häufig beklagte fehlende Würdigung Heidi Mohrs urteilen.

Ihre Titel und Ehrungen sind in der Beschlussvorlage aufgezählt, und es ist gut, dass Heidi Mohr mit dem Hallennamen nun die ihr zustehende Ehrung erfährt.

Ich würde mich freuen, wenn die Benennung der Halle dazu beiträgt, dass die Fußballstadt Weinheim nicht länger nur durch Sepp Herberger und den legendären Pokalsieg der Nullneuner und damit nur durch Männer bekannt ist.

Ohne die Ehrung Heidi Mohrs zu schmälern, ist der heutige Beschluss auch eine gute Gelegenheit, den vielen ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainern zu danken, die in unseren Sportvereinen wie beispielsweise bei der SG Hohensachsen eine herausragende Arbeit für den Mädchen- und Frauenfußball leisten.

Möge das Vorbild Heidi Mohrs dazu beitragen, dass unsere Stadt weitere großartige Spielerinnen hervorbringt!

Fotos vom Game 2 der American League Championship Series am 8. Oktober 1992. Die Blue Jays gewannen das Spiel mit 3:1 und gewannen in diesem Jahr auch die World Series gegen die Atlanta Braves.
https://www.baseball-reference.com/boxes/TOR/TOR199210080.shtml

Als Bonus noch ein im Maple Leafs Garden aufgenommenes Foto aus dem Saisoneröffnungsspiel der Toronto Maple Leafs gegen die Washington Capitals am 7. Oktober 1992, Endstand 5:6.
https://www.hockey-reference.com/boxscores/199210070TOR.html

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Das Safeco Field (seit 1.1.2019 T-Mobile Park) ist die Heimstätte des MLB Teams der Seattle Mariners. Namensgeber des Stadions war seit 1998 die Safeco Insurance, ein Versicherungsunternehmen mit Sitz in Seattle. Das Stadion hat ein Fassungsvermögen von 47.934 Zuschauern (ausschließlich Sitzplätze) und ein schließbares Dach. Die Gesamtbaukosten betrugen bis zur Eröffnung 517,6 Mio. US-Dollar, damit war Safeco Field zu diesem Zeitpunkt das teuerste Baseballstadion der Welt. Der Bau des Stadions gegen den Widerstand eines Teils der Stadtgesellschaft war nur möglich aufgrund der Erfolge des Teams in den Jahren ab 1995 (erstmaliger Gewinn der Division und Sieg gegen die New York Yankees in der ALDS), angeführt vom Starspieler Ken Griffey Jr. Deswegen trägt das Stadion den Beinamen “The House that Griffey built”. Eröffnet wurde es nach zwei Jahren Bauzeit am 15. Juli 1999 mit dem Spiel der Mariners gegen die San Diego Padres.

Safeco Field dient dem Team als Nachfolger für den Kingdome, einem Stadion mit geschlossenem Kuppeldach, das bis zum Jahr 2000 direkt nördlich an das neue Stadion angrenzte. Die 1976 eingeweihte Arena ist bis heute das einzige Stadion in dem die All-Star-Spiele der drei großen Ligen NFL, NBA und MLB ausgetragen wurden. Zwischen 1976 und 2000 besuchten rund 73 Millionen Menschen zu Veranstaltungen das Mehrzweckstadion. Im Jahr 2000 wurde der Kingdome schließlich aufgrund von Bedenken bezüglich der Standsicherheit des Gebäudes bei Erdbeben abgerissen. Am Ort des ehemaligen King Dome befindet sich seit 2002 das bis zu 72.000 Zuschauer fassende CenturyLink Field, das Heimstadion der Seattle Seahawks (NFL) und der Seattle Sounders (MLS).

Die Fotos entstanden bei mehreren Aufenthalten in Seattle zwischen 1992 und 2003 und zeigen den Kingdome (1992 und 1999), die Baustelle des Safeco Field im Frühjahr 1999 sowie die Situation nach Eröffnung des benachbarten Footballstadions (2002).

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Die erste Fassung dieses Textes habe ich in nur leicht veränderter Form für die Reihe der Spielberichte unseres Fanclubs verfasst. Darin verbinden sich zwei meiner Leidenschaften: die Musik von Noel Gallagher und die Begeisterung für den Fußball der TSG 1899 Hoffenheim.

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Don’t Look Back In Anger —
Warum unsere Championsleague Saison ein Hit war

Gefragt nach der popmusikalischen Hauptstadt des Vereinigten Königreichs, wird vielen wohl als erstes die Beatles-Stadt Liverpool in den Sinn kommen. Betrachtet man jedoch die Relation der 500 erfolgreichsten Bands und Musiker seit 1950 bezogen auf die Einwohnerzahl, so übertrifft Manchester die Stadt an der Merseymündung deutlich. Während es Manchester auf einen Pop- oder Rockstar pro 17.855 Einwohner bringt, liegt das Verhältnis in Liverpool bei 1 : 29.073 (Quelle). Auch im Fußball sind die Clubs von United und City mit zusammen 24 Meisterschaften (davon 21 in der Nachkriegszeit) auf dem besten Weg, der Merseyside den Rang als Fußballhauptstadt zu entreißen (die Reds und Everton haben zusammen 27 Meistertitel errungen, davon aber nur 19 seit 1945). So stößt man im Zusammenhang mit Manchester nicht selten auf das Attribut „Rock’n’Goal Capital of the World.“

Hatten Punk und New Wave in den frühen 1980er Jahren hauptsächlich in London ihren Ursprung gefunden, entwickelte sich in der zweiten Hälfte des Jahrzehntes eine neue Bewegung im Nordwesten Englands, die Elemente des Independent und Alternative Rock und der elektronischen Tanzmusik verband. Diese musikalische Stilrichtung ging als Madchester in die Musikgeschichte ein. Sie war geprägt von Bands wie den Stone Roses, New Order, Primal Scream oder den Inspiral Carpets. Epizentrum dieser Musik war „The Haçienda“, ein Nachtklub in einem ehemaligen Lagerhaus am Rochdale Canal in Manchester. Auf dem Kontinent wurde die Musik unter dem Begriff Manchester Rave oder kurz Rave bekannt. Mitte der 1990er Jahre ebbte die Madchester-Welle wieder ab, sowohl aufgrund kreativer Stagnation, als auch durch die Pleite des Musiklabels Factory Records, die die Szene finanziell und organisatorisch hart traf.

Die Madchester-Bewegung war wiederum eine der Quellen, aus denen sich der als Britpop bekannt gewordene Musikstil der 1990er Jahre speiste. Bekannteste Vertreter des Britpop sind OASIS, Blur oder Radiohead. OASIS ging aus der in Manchester gegründeten Rockband „Rain“ hervor. Da der Gitarrist Paul „Bonehead“ Arthurs, der Bassist Paul „Guigsy“ McGuigan und der Schlagzeuger Tony McCaroll mit dem Können ihres Sängers unzufrieden waren, baten sie ihren Kumpel Liam Gallagher, diesen zu ersetzen. Gallagher hatte die Schule abgebrochen, jobte als Hilfsarbeiter und war zu jener Zeit gerade arbeitslos. In seiner Jugend war er musikalisch dem Hip-Hop zugewandt, sein Interesse an der Rockmusik war erst kurz zuvor in einem Konzert der Stone Roses entflammt. Liam Gallaghers älterer Bruder Noel übte seit seiner Schulzeit ebenfalls wechselnde ungelernte Arbeiten aus; seit 1988 war er Roadie bei den Inspiral Carpets. Wegen Noels Talent als Songschreiber bat ihn Liam, der Band Rain beizutreten. Noel stimmte unter der Bedingung zu, alleiniger Bandchef und Komponist zu werden. Rain wurde auf Liams Bestreben hin in OASIS umbenannt. Der Name stammte von einem Tourposter der Inspiral Carpets (Konzert im Oasis Leisure Centre in Swindon), das Noel im gemeinsamen Zimmer der Brüder aufgehängt hatte.

Der folgende Aufstieg von OASIS zur erfolgreichsten britischen Band der 1990er Jahre stand im krassen Gegensatz zum zeitgleichen Niedergang ihres Fußballclubs Manchester City. Nach einer Blütezeit um die Jahrhundertmitte (erste englische Meisterschaft 1936/37, Gewinn des FA Cups 1956 — in einem legendären Endspiel, das der deutsche Torwart „Bert“ Trautmann mit gebrochenem Halswirbel beendete –, zweite Meisterschaft 1967/68 und Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 1970) folgte eine lange Phase des Misserfolgs mit zweimaligem Abstieg aus der höchsten Spielklasse und dem Absturz in die Dritte Liga 1998. Zwar gelang der direkte Durchmarsch bis zurück in die Eliteliga, doch ging es in der Saison 2000/01 nochmals zurück in die zweite Spielklasse. Mit dem Amtsantritt von Kevin Keegan im Mai 2001 wendete sich das Blatt endgültig. Dieser hatte sich zwischen 1977 und 1980 in Deutschland als HSV- und Chartstürmer einen Namen gemacht. Sein Schlager Head over Heels in Love erreichte 1979 Platz 10 in der deutschen Hitparade und Platz 31 in der Liste des britischen „Melody Maker“.

Unabhängig von seinen Sangeskünsten gelang Keegan die Zweitligameisterschaft und in der folgenden Saison der erste Derbysieg gegen die Lokalrivalen von United seit 13 Jahren. Mit dem Umzug in ein neues Stadion wurde schließlich der Grundstein für den bis heute anhaltenden Aufstieg des Clubs mit den Meisterschaften und Ligapokalsiegen von 2013/14 und 2017/18 gelegt. Stammgast im City of Manchester Stadium, dem heutigen Etihad Stadium, ist Noel Gallagher, der auch sonst aus seiner lebenslangen Liebe zu Manchester City kein Geheimnis macht. Im Gegenteil, er drapiert die Bühne bei jedem seiner Auftritte mit einer großen Vereinsfahne, so zuletzt auch bei seiner Deutschlandtournee im Frühjahr. In einem Interview mit dem Fußballmagazin FourFourTwo beschrieb er, wie ihn sein aus Dublin stammender Vater zu den Spielen von City im alten Maine Road Stadium mitnahm, während der Rest der Familie bis heute glühende United Anhänger geblieben sind.

Selbstverständlich lebt Noel Gallagher die Feindschaft mit dem Stadtrivalen Manchester United intensiv aus. Wie wir aus der wirklich sehenswerten BBC Dokumentation „Wayne Rooney – The Man Behind The Goals“ wissen, sammelt der Stürmerstar signierte Gitarren – auch wenn er selbst nicht darauf spielen kann. Zu seinem 21. Geburtstag wollte Rooneys Lebensgefährtin ihn mit einer von Noel signierten Gibson Les Paul überraschen. Noel ließ das wertvolle Instrument himmelblau übermalen, krakelte die ersten Worte aus der City-Vereinshymne darauf und signierte mit „Happy Birthday Spongebob!“.

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BBC Dokumentation „Wayne Rooney – The Man Behind The Goals“, die Szene mit der Gitarrensammlung beginnt bei Minute 14:15.

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https://www.youtube.com/watch?v=BAclBxHvl7U

Das Geburtstagsgeschenk aus Noel Gallaghers Sicht.

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Zum Amtsantritt von Pep Guardiola war es Noel Gallagher, der das erste Interview mit dem neuen Trainer führen durfte. Die Freundschaft zwischen Trainer und Sänger hat sich nach dem Terroranschlag auf die Manchester Arena am 22. Mai 2017 noch intensiviert. 23 Menschen wurden getötet, mehr als 500 verletzt. Unter den Besuchern des Ariana Grande Konzerts waren auch Guardiolas Frau und Töchter. Drei Tage nach dem Attentat kamen die Einwohner der Stadt am St. Ann’s Square zu einer Schweigeminute zusammen. Die Stille wurde durch die einzelne Stimme einer Frau unterbrochen, die den OASIS Song Don’t Look Back in Anger zu singen begann, bis die Menschenmenge mit einstimmte. Seit diesem Tag gilt das Lied als die Hymne der Stadt.

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In einem vor wenigen Wochen geführten Interview mit der BBC wurde Guardiola um eine Liste seiner Lieblingslieder gebeten. Er nannte Don’t Look Back in Anger an erster Stelle und beschrieb seine Erlebnisse rund um das Attentat:

“I love this song, you cannot imagine how much. It is incredible. It puts me in the best of myself when I listen – it’s a masterpiece. Every time we go out we always sing this song together. I love it.

I like that, after what happened in Manchester at the arena, now it is a song for the people, you know? Like in the video when everyone is in silence and one woman starts to sing the song and everybody sings, that is a moment, it was so touching for my family and for myself.

When the attack happened, I was at home with my son, and my wife and daughters were there – they were at the arena.

She called me but the line broke immediately. She told me “something happened and we are running but I don’t know what happened” and the line broke. We tried to call her again and it didn’t work; we went to the the arena and after five or six minutes she rang again and said: “We are out, we’re coming back home.”

At the end we were lucky. Many people suffered, and we were lucky. Life is like this. We were in a better position than many unfortunate ones.”

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Auch jenseits von Manchester hat Don’t Look Back in Anger neben anderen OASIS Songs Eingang in das Repertoire der Fußballfans gefunden.

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https://www.youtube.com/watch?v=edDOUz_za48

Interessanterweise stimmen gelegentlich die Fans beider Lager gemeinsam in den Gesang mit ein, wie hier bei einem Länderspiel zwischen England und Frankreich.

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Dass OASIS und der Fußball zusammengehören, hatte auch das ZDF schon sehr früh erkannt. Die Übertragungen von der in England ausgetragenen Europameisterschaft 1996 endeten stets mit den Bildern des Spieltages, unterlegt mit OASIS‘ Don’t Look Back in Anger.

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Über die musikalischen Vorlieben unseres Trainers, der aus seinem freundschaftlich-kollegialen Verhältnis zum City-Manager kein Geheimnis macht, ist nicht viel bekannt. Vielleicht teilen die beiden ja auch den selben Musikgeschmack. Zeit also für einen Rückblick auf unsere Championsleague Saison und das letzte Spiel mithilfe von OASIS Songtiteln:

FK Shakhtar Donetsk vs. TSG Hoffenheim

Where Did It All Go Wrong? mag sich der ein oder andere Fan fragen. Die Antwort liegt wahrscheinlich schon im ersten Spieltag der Gruppe begründet, wo — Strange Thing — Lyon unerwarteter Weise 3 Punkte aus Manchester entführte und alle vorherigen Zahlenspiele ad absurdum führte. Whatever, was zählte war der gelungene Auftakt unserer Mannschaft Half The World Away in Charkiw. Unsere Mannschaft war endgültig auf der großen Bühne angelangt, sogar The Hindu Times berichtete über das Spiel. Auch wir Fans waren endgültig auf den Geschmack des Magic Pie namens Championsleague gekommen.

TSG Hoffenheim vs. Manchester City FC

Das ganze Stadion, nicht nur unsere Wonderwall in der Südkurve fieberte dem ersten Heimspiel gegen die Citizens entgegen, und war gespannt welcher der beiden hoch gelobten Trainer sich als Better Man erweisen und welche der beiden Mannschaften The Masterplan besser umsetzen würde. Nach großem Kampf war unsere Nummer 38 der unglückliche Boy With The Blues. Nur Cigarettes & Alcohol konnten uns über die späte Niederlage hinweg trösten.

TSG Hoffenheim vs. Olympique Lyonnais

Die Belastungssteuerung des Kaders, also The Importance of Being Idle, war ein Leitmotiv der Halbsaison. Little by Little kehrten die langzeitverletzten Spieler in den Kader zurück. Uns so war das Heimspiel gegen Lyon eine One Way Road, in der wir alle sechs Tore mehr oder weniger selbst schossen. Am Ende wollte keiner die Frage Who Feels Love? für den Schiedsrichter mit Ja beantworten.

Olympique Lyonnais vs. TSG Hoffenheim

Stop Crying Your Heart Out und I Belive In All war die Devise vor der Fahrt nach Lyon, denn noch war rechnerisch alles möglich. Aber The Nature of Reality holte uns schnell ein, das 2:0 traf uns wie The Shock of the Lightning. Die Mannschaft gab jedoch auch nach der gelb-roten Karte nicht auf, Won’t Let You Down. Nach dem Spiel waren alle Hoffenheimfans Part of the Queue als uns die Ordner erst nicht aus dem Fanblock und später die Polizei nicht aus dem Stadion ließen.

TSG Hoffenheim vs. FK Shakhtar Donetsk

Mit Gefühlen zwischen Hoffen und Bangen ging es in die Vorbereitung auf das Heimspiel gegen Donezk: I Hope, I Think, I Know, ein Sieg würde die Qualifikation fürs Achtelfinale oder wenigstens die Europaliga bedeuten. Keep The Dream Alive war die eindeutige Vorgabe des Trainers an die Mannschaft. Aus dem Hinspiel waren wir vor den Supersonic schnellen Stürmen der brasilianischen Ukrainer gewarnt, aber die Lord Don’t Slow Me Down Gebete unserer Abwehrspieler wurden nicht erhört. Als dann noch der Schiedsrichter die rote Karte Up in the Sky hielt, dachte so mancher auf der Tribüne: If I had a Gun… Nicht so unser Trainer und die Mannschaft, wie eine Force Of Nature bestürmten sie Full On das Tor des Gegners. Some Might Say wir hätten das Unentschieden halten sollen, aber Hey Now, das ist nicht unsere Art von Fußball, D’You Know What I Mean? Das bittere Ende ist bekannt, die Fans waren plötzlich The Quiet Ones, Sitting Here in Silence ohne Aussicht auf Morning Glory in der Rhein-Neckar-Zeitung.

Manchester City FC vs. TSG Hoffenheim

Aber Going Nowhere kam für den TSG Anhang nicht in Frage, im Gegenteil, Be Here Now war das Manchester-Motto für 1.800 Schlachtenbummler aus dem Kraichgau. Shout It Out Loud! Es war bemerkenswert, wie die mitgereisten TSG Fans über 90 Minuten die stimmliche Oberhand im Etihad Stadion eroberten und behielten! Flashbax garantiert, folgte die Geschichte des Spiels im Etihad Stadion einem bekannten Drehbuch: knappe Niederlage nach früher, verdienter Führung. Schnell entwickelte sich ein offenes Spiel, ein wahrer Eyeball Tickler mit Chancen auf beiden Seiten.

Andrej Kramarić setzte einen Fernschuss knapp über das Tor bevor er in der 14. Minute einen Weltklasseschlenzer ins lange Eck zirkelte, den Ederson jedoch mit einer ebensolchen Parade entschärfte. Die zu diesem Zeitpunkt nicht unverdiente Führung erzielte unser Vizeweltmeister zwei Minuten später vom Elfmeterpunkt nach einem unstrittigen Foul am Championsleaguedebütanten Benni Hübner. In der Folge erhöhte Manchester den Druck. Mit Glück und einem überragenden Oliver Baumann gelang es der TSG den Vorsprung und — trotz der zwischenzeitlichen Führung von Donezk — den Glauben an die Europaligaqualifikation am Leben zu halten. Es bedurfte eines von Sané perfekt geschossenen 25 Meter Freistoß um in der Nachspielzeit der ersten Hälfte den Ausgleich zu erzielen. Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit hielt uns Baumann mit starken Paraden im Spiel. Und wer weiß was für uns möglich gewesen wäre, hätte Reiss Nelson seine Großchance in der 59. Minute verwandelt. Wiederum nur zwei Minuten später war es erneut Sané, der nach feinem Doppelpass mit Sterling Baumann ausspielen und den Siegtreffer erzielen konnte. Er wurde somit der erste Deutsche Spieler der in einem Championsleaguespiel einen Doppelpack gegen eine deutsche Mannschaft schnüren konnte.

Unser Exit aus der Championsleague war somit besiegelt. Letztlich haben wir das durch Unerfahrenheit, schlechte Chancenverwertung und individuelle Fehler selbst verschuldet. Womit wir zurück beim Britpop wären, denn die Insulaner diskutieren allen Ernstes ob selbiger eine der Ursachen für den bevorstehenden Brexit ist. Eine These, die derzeit die Runde macht, besagt, dass Bands wie OASIS und Blur eine Mitschuld am Brexit treffen soll, da sich die britische Musikszene damals, Mitte der Neunzigerjahre zurück auf die eigene Geschichte besann: auf die Beatles, die Rolling Stones, die Small Faces und die Kinks, also auf die Zeit in der Großbritannien musikalisch den Ton angab in der ganzen Welt.

Ja, wir sind mit kläglichen 3 Punkten sang- und klanglos aus der Championsleague 2018/19 ausgeschieden. Aber wir blicken nicht im Zorn zurück: Thank You for the Good Times an den Trainer und die Mannschaft! Möglicherweise werden wir schon bald wiederkommen, Let’s All Make Believe. Aber fast noch wichtiger ist der großartige Erfolg unserer U19, die die Gruppe gewonnen hat und in der UEFA Youth League überwintern wird. Auch wenn der Gewinn der Championsleague für die erste Mannschaft der TSG auf absehbare Zeit unerreichbar scheint, so trauen wir Julian Nagelsmann zu, dass es ihm im Lauf seiner weiteren Trainerkarriere gelingen wird, den großen Henkelpott in die Höhe stemmen und in einer Champagne Supernova duschen zu dürfen.

Unseren Segen hat er.

Der Besuch eines Red Sox-Heimspiels im altehrwürdigen Fenway Park, zähle ich zu den Pflichtterminen, wann immer ich geschäftlich in Boston bin. Das nach dem Stadtteil Fenway benannte Baseballstadion wurde 1912 eröffnet und ist damit der älteste noch in Benutzung befindliche Ballpark der Major League. Eine Besonderheit des Stadions ist die hinter dem linken Outfield stehende Mauer, das “Green Monster”.

2015

15. Juni 2015, Boston Red Sox gegen Atlanta Braves, 2:4
https://www.baseball-reference.com/boxes/BOS/BOS201506150.shtml

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2016

10. Mai 2016, Boston Red Sox gegen Oakland Athletics, 13:5
https://www.baseball-reference.com/boxes/BOS/BOS201605100.shtml

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Das Citi Field ist das Baseballstadion der New York Mets, es befindet sich in New York City im Borough Queens. Das 41.922 Sitzplätze umfassende Stadion wurde 2009 fertiggestellt und ersetzte das benachbarte Shea Stadium, das 1964 fast an gleicher Stelle erbaut worden war. Das von einer fast zweistündigen Gewitterpause unterbrochene Spiel der Mets am 7. August 2018 endete 6:1 für die Cincinatti Reds. Alle Statistiken zum Spiel sind unter https://www.baseball-reference.com/boxes/NYN/NYN201808070.shtml zu finden.

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Besuch im Baseballstadion der New York Yankees am 14. Mai 2016. Das Stadion liegt im Süden der Bronx. Es wurde am 3. April 2009 eröffnet und ersetzte das alte Yankee Stadium von 1923, das bis zum 13. Mai 2010 abgerissen wurde. Die Heimstätte der Yankees bietet zu Baseballspielen 49.642 Plätze. Das Spiel gegen die Chicago White Sox endete 2:1. Alle Statistiken zum Spiel gibt es unter https://www.baseball-reference.com/boxes/NYA/NYA201605140.shtml.

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Aus Anlass des ersten Champions League Spiels der TSG 1899 Hoffenheim konnte ich im September 2018 zu einem zweitägigen Kurzaufenthalt nach Charkiw in der Ostukraine reisen. In der zweitgrößten Stadt des Landes trägt der ukrainische Fußballmeister FK Schachtar Donezk kriegsbedingt seine Heimspiele aus.

Die Stadt

Charkiw ist nach Kiew mit rund 1,4 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Ukraine und mit 42 Universitäten und Hochschulen das bedeutendste Wissenschafts- und Bildungszentrum des Landes. Die Stadt liegt an der Mündung des Flusses Charkiw in den Lopan und des Lopan in den Udy im Nordosten der Ukraine. Sie ist ein Zentrum des Maschinen- und Schienenfahrzeugbaus sowie der Elektro-, Nahrungsmittel- und chemischen Industrie). Sie stellt mit zusammen zwölf Theatern und Museen ein kulturelles Zentrum dar und ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt.

Der offizielle Name der Stadt ist Charkiw (ukrainisch Харків). Daneben ist in der in weiten Teilen russisch- oder zweisprachigen Bevölkerung Charkow (russisch Харьков) gebräuchlich. Während der Zugehörigkeit zur Sowjetunion wurde von deutschsprachigen Medien fast durchgängig die russische Namensvariante verwendet. Seit der Unabhängigkeit der Ukraine findet jedoch zunehmend die ukrainische Version des Namens Verwendung. Gelegentlich sind auch die Schreibweisen Kharkiv und Kharkov anzutreffen, welche auf der englischen Transkription des ukrainischen beziehungsweise russischen Namens basieren.

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Die Bevölkerung der Stadt besteht mehrheitlich aus Ukrainern und Russen neben kleineren Minderheiten, wie Armeniern, Aserbaidschanern, Weißrussen, Usbeken und Tataren. Charkiw gehört zum mehrheitlich russischsprachigen Teil der Ukraine. Nach einer offiziellen Statistik sprachen im Jahr 2001 etwa 66 % der Stadtbewohner zu Hause ausschließlich Russisch, hinzu kommen viele zweisprachige Haushalte. Inoffizielle Statistiken beziffern einen noch höheren Anteil an Russischsprachigen. 2012 wurde in der Region Charkiw Russisch als regionale Amtssprache anerkannt.

Die Stadt wurde ursprünglich als Festung zur Verteidigung der Südgrenzen des Zarenreiches bzw. zur Abwehr der Krimtataren im Jahr 1630 gegründet. Mit der Verschiebung der russischen Grenzen nach Süden verlor Charkiw Ende des 18. Jahrhunderts seine Bedeutung als Festung. Die Stadt wurde jedoch zu einem Zentrum von Handwerk und Handel, nachdem sie bereits 1765 zur Hauptstadt des “Gouvernement Charkow” im Zarenreich wurde. Mit dem Anschluss an das Eisenbahnnetz (1869) und dem Beginn der Gewinnung von Kohle und Eisenerz in der Ukraine entwickelte sich Charkiw Ende des 19. Jahrhunderts als Industriezentrum. Während des Bürgerkriegs 1917 bis 1920 kam es in der Stadt zu schweren Kämpfen. Im Januar 1918 tagte in Charkiw der erste ukrainische Sowjetkongress, der die Ukraine zur Sowjetrepublik ausrief und Charkiw zu ihrer ersten Hauptstadt erklärte, die sie bis 1934 blieb. Im Frühjahr 1933 war Charkiw besonders stark vom “Holodomor“, einer maßgeblich durch das stalinistische Regime verursachten Hungersnot, betroffen. In der Stadt verhungerten innerhalb weniger Monate über 45.000 Menschen.

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Im Zweiten Weltkrieg war Charkiw wegen der Funktion als Verkehrsknoten sowie der vorhandenen Rüstungsindustrie (Panzerbau) ein sehr wichtiges strategisches Ziel. Im Oktober 1941 nahmen Truppen der deutschen 6. Armee die damals viertgrößte Stadt der Sowjetunion kampflos ein. Nach den Erfahrungen während der Stalinschen Säuberungen begrüßten zahlreiche Einwohner der Stadt die einrückenden Einheiten der Wehrmacht mit Brot und Salz. Kurz danach aber begann der Terror an der Zivilbevölkerung: die meisten in der Stadt verbliebenen Juden wurden beim Massaker von Drobyzkyj Jar umgebracht; zahlreiche Bewohner von Charkiw wurden nach Deutschland als Zwangsarbeiter verschleppt. Im Mai 1942 scheiterte ein sowjetischer Befreiungsversuch (“Zweite Schlacht um Charkow”). Im Februar 1943 zog sich die Wehrmacht zurück, um einer Einkesselung zu entgehen. Im März 1943 fiel die Stadt nach schweren Gefechten wieder an die Deutschen, wobei große Teile der Stadt zerstört wurden. Nach der “Panzerschlacht um Kursk” wurde die Stadt am 23. August 1943 endgültig durch die Rote Armee eingenommen (“Vierte Schlacht um Charkow”). Insgesamt sind in der Oblast Charkiw ca. 270.000 Menschen der deutschen Besatzung zum Opfer gefallen.

Mit dem Wiederaufbau Charkiws wurden große Teile der Stadt im Stile des Sozialistischen Klassizismus neu gestaltet. Charkiw wuchs in der Nachkriegszeit schnell zur Millionenstadt. Seit 1991 gehört Charkiw zur unabhängigen Ukraine. Besonders in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit brach die Wirtschaft der Stadt ein, wie auch in den meisten anderen Regionen der ehemaligen Sowjetunion. Seit Ende der 1990er Jahre kehrte sich dieser Trend aber wieder um. Als erste Stadt der Ukraine wurde Charkiw 2010 mit dem Europapreis des Europarates für seine herausragenden Bemühungen um den europäischen Integrationsgedanken ausgezeichnet. Während der Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine fanden in der Stadt insgesamt drei Vorrundenspiele statt, darunter die Begegnung Niederlande – Deutschland (1:2).

Tag 1

Nach einer schlaflosen Nacht am Flughafen ging es um 5:00 Uhr morgens mit Ukraine International Airlines von Frankfurt über Kiew nach Charkiw. Nach Sonnenaufgang boten sich bei bestem Wetter interessante Blicke auf die Agrarlandschaft sowie die Dörfer und Städte in Südpolen und der Ukraine.

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Da nach der Landung drei Stunden Zeit bis zum Hotel Check-In blieben, beschloss ich – gemeinsam mit einem mitreisenden Freund – nicht mit dem Taxi, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Stadtzentrum zu fahren. Da der Flughafen nicht über einen U-Bahn-Anschluss verfügt, galt es, die richtige Bushaltestelle und den richtigen Bus zu finden. Wir landeten gleich einen Treffer, die Linie 255 würde uns vom im Süden der Stadt gelegen Flughafen zur U-Bahn-Station Академика Барабашова im Osten bringen. Schnell war das Ticket für umgerechnet 12 Cent beim Fahrer gelöst und die Fahrt begann. Deutschen TÜV hätte das Gefährt nicht bekommen, aber der Fahrer verstand die mangelnde Bremskraft durch vorausschauendes Fahren auszugleichen. Die Busroute erwies sich gleich in zweifacher Hinsicht als gute Wahl, führte sie doch entlang der großen Industriezonen der Stadt und endete mitten im Barabashova Markt (Барабашово), einem 75 Hektar großen Straßenmarkt. Hier werden Textilien, Schuhe, Haushaltswaren, Elektrogeräte und vieles andere mehr gehandelt.

Nach einem kurzen Bummel durch den Markt betraten wir die U-Bahn Station. Die 1975 in Betrieb genommene Charkiwer Metro war erst die sechste auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR gebaute U-Bahn. Sie besteht aus drei Linien, die 29 Stationen bedienen. Pro Jahr werden mehr als 240 Millionen Passagiere gezählt. Ähnlich wie in Moskau sind alle Metrostationen aufwendig gestaltet, sie greifen architektonische Motive der jeweiligen Plätze oder naheliegender öffentlicher Gebäude auf. Derzeit kostet eine Fahrt 5 Hrywnja (ca. 0,15 €). Ausführliche Informationen zur Charkiwer U-Bahn finden sich unter http://eng.asmetro.ru/metro/metro/Kharkov/Kharkov_full/.

Unsere erste Station in der Stadtmitte war der Freiheitsplatz (Майдан Свободи). Der in den 1920er Jahren gestaltete Platz ist etwa 750 m lang, bis zu 125 m breit und hat eine Fläche von etwa 11,5 ha. Er zählt somit zu den größten Stadtplätzen Europas. Im Nordwesten ist der Platz kreisförmig mit einem Park in der Mitte gestaltet, während er an der südöstlichen Seite eine rechtwinklige, unbebaute Fläche hat. Am Übergang vom runden zum rechtwinkligen Teil des Platzes befand ein 1963 eingeweihtes, 20 m hohes Lenindenkmal. Es wurde im September 2014 von pro-ukrainischen Demonstranten gestürzt, aktuell werden die Reste des Sockels beseitigt. Am Platz befindet sich unter anderem das Hauptgebäude der Wassyl-Karasin-Universität Charkiw und das Derschprom-Gebäude (Держпром), ein 1928 vollendeter, erster sowjetischer 13-stöckiger “Wolkenkratzer” im Stil des Konstruktivismus. Weitere Gebäude auf dem Platz wurden im Stil des Sozialistischen Klassizismus erbaut.

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Beim nachfolgenden Spaziergang durch die Stadt folgte ich der Sumska Straße und ihren Nebenstraßen nach Süden. Entlang dieser historischen Hauptstraße liegen zahlreiche öffentliche Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten der Stadt. Optisches Highlight ist zweifellos die Kirche der Heiligen Myrrhe-Trägerinnen. Trotz ihres traditionellen Baustils mit neun Kuppeln, handelt es sich um einen erst 2015 geweihten Neubau der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (Kiewer Patriarchat). Am gleichen Ort stand eine alte Kirche gleichen Namens aus dem siebzehnten Jahrhundert, die in den 1930er Jahren von den stalinistischen Machthabern zerstört worden war. Im Park vor der Kirche steht der nachts bunt beleuchtete Spiegelbrunnen (Дзеркальний струмінь), das bekannteste Symbol der Stadt.

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Mehr Authentizität besitzt die nahe des Verfassungsplatzes gelegene Uspenskij- bzw. Mariä Himmelfahrt-Kathedrale. Die Kirche wurde um 1770 erbaut. Zu Ehren des Sieges über Napoleon wurde in den 1820er Jahren der knapp 90 m hohe Glockenturm hinzu gefügt. Während der sozialistischen Zeit wurde die Kirche dank ihrer Orgel als Konzertsaal genutzt. Seit 2006 ist sie wieder im Besitz der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche.

Im Rahmen meiner Dissertation habe ich mich ausführlich mit dem “sozialistischen Städtebau” in Ostdeutschland, Osteuropa und der Sowjetunion mit ihren Nachfolgestaaten beschäftigt. Schon beim Landeanflug auf Charkiw waren zahlreiche Charakteristika der “sozialistischen Stadt” und ihrer post-sozialistischen Transformation zu erkennen. Das 1954 erbaute “Haus mit dem Helmdach” (Будинок зі шпилем) wurde von Nikita Chruschtschow persönlich als Sinnbild des modernen Charkows bezeichnet und ist ein wunderbares Beispiel für den “Zuckerbäckerstil” der Nachkriegsjahre. Im Kontrast dazu die Betonarchitektur des Ende der 1980er errichteten Neubaus des Opernhauses.

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Das Spiel

Am frühen Abend machte ich mich zu Fuß auf ins südöstlich des Stadtzentrums, inmitten eines Wohngebiets gelegene Metalist-Stadion. Urspünglich trug die 1926 eröffnete Arena den Namen Traktor-Stadion. Für die Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine wurde die Spielstätte zwischen 2008 und 2009 umfassend renoviert und erhielt eine Kapazität von 41.307 Sitzplätzen. Die Südtribüne wurde fertiggestellt und eine neue Osttribüne errichtet. Die Arena bekam ein neues Dach, das von einer Stahlgerüstkonstruktion getragen wird und alle Ränge überdeckt.

Schachtjor Donezk beschloss nach der Winterpause der Saison 2016/17 seine Heimspiele im Metalist-Stadion zu veranstalten. Der wegen des Krieges in der Ostukraine aus Donezk ausgewichene Club erhoffte sich in Charkiw mehr Zuspruch von den Fans, als im westukrainischen Lwiw, wo der Verein in den zweieinhalb Jahren davor spielte. Diese Hoffnung hat sich jedoch nur teilweise erfüllt, bei den Ligaspielen verlieren sich regelmäßig nur wenige hundert Zuschauer auf den Tribünen. Anders jedoch an diesem lauen Sommerabend, wo über 28.000 Fußballfreunde das Stadion zu mehr als zwei Dritteln füllten. Uns etwa 150 Hoffenheim-Anhängern stand in etwa die gleiche Anzahl an Polizisten und Ordnungskräften gegenüber: gleich vier mal mussten wir unsere Habseligkeiten vorzeigen, bevor wir ins Stadioninnere gelangen konnten. Bemerkenswert auch das Catering: anstelle des sonst üblichen Fastfoods gab es einen Stand mit leckeren Fleischspießen und Kartoffelecken.

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Das Spiel selbst war äußerst unterhaltsam, unsere Mannschaft lag zwei mal in Führung, musste aber kurz vor Schluss den (verdienten) 2:2 Ausgleich hinnehmen. Eine ausführliche Spielanalyse gibt es beim Kicker [http://www.kicker.de/news/fussball/chleague/spielrunde/champions-league/2018-19/1/4546689/spielanalyse_schachtjor-donezk_1899-hoffenheim-3209.html] oder auf unserer Fanclubseite [http://akademikerfanclub.de/schachtjor-donezk-vs-1899-hoffenheim/]. Kurz nach Spielende erreichten mich dann etliche Kurznachrichten auf diversen Kanälen. Sowohl in der Champions League Übertragung bei Sky als auch auf dem Streamingportal DAZN waren wir beim Fachsimpeln ins Bild geraten und in die heimischen Wohnstuben gesendet worden.

Zu Dritt machten wir uns dann durchs nächtliche Charkiw zu Fuß zurück auf den Weg in die Innenstadt. Eine Gruppe von Halbstarken musterte uns kurz, aber offensichtlich waren wir es nicht wert, verprügelt zu werden. Viel erfreulicher verlief wenige Minuten später die Begegnung mit einem Vater und seinem Sohn, die uns um ein gemeinsames Foto baten. In einem Kauderwelsch aus Englisch und Russisch versicherten wir uns, ein sehr gutes Spiel zweier sehr respektabler Mannschaften gesehen zu haben. Ich bin sicher, dass uns der Bub in guter Erinnerung behalten wird.

Tag 2

Am nächsten Morgen war der zweite Teil meiner Stadtbesichtigung u.a. durch zwei weitere Kirchen geprägt. Die neo-byzantinische Verkündigungs-Kathedrale war bei ihrer Weihe 1901 eine der größten Kirchenbauten des Russischen Reiches. Fünf Kuppeln und ein 80 Meter hoher Glockenturm überspannen einen goldgeschmückten Kirchenraum mit mehreren Altären und zahllosen Ikonen. Ab 1930 war die Kirche durch die kommunistischen Machthaber für Gläubige gesperrt, unterbrochen nur durch die deutsche Besatzungszeit 1943. Zwischenzeitlich wurde das Gebäude auch als Schule und Warenlager zweckentfremdet. Seit 1946 ist die Kirche Zentrum der Eparchie (Bistum) Charkiw der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat).

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Sehr viel älter ist die Pokrovsky-Kathedrale im Kloster Mariä Schutz und Fürbitte [Покровський монастир] am gegenüberliegenden Hochufer des Lopan. Die bis 1689 im barocken Baustil erbaute Kirche ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt. Die Klostermauern waren im 17. Jahrhundert Teil der Stadtbefestigung, so dass sich bis heute ein abgeschirmter Charakter der Anlage erhalten hat. Das innere der Kirche ist reich geschmückt, und alle Wände sind mit eindrucksvollen Fresken bemalt.

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Das große Tor der Klosteranlage öffnet sich direkt auf den Verfassungsplatz [Майдан Конституції], dessen Randbebauung Baustile aus den letzten drei Jahrhunderten vereint. Bemerkenswert sind neben dem Glaskubus des Historischen Museums, das erst 2012 errichtete Freiheitsdenkmal und das überdimensionale Thermometer an der Fassade des Meteorologischen Instituts.

Unvergessliche, wenn auch nicht im Foto festgehaltene Eindrücke, hinterließ auch die große Halle des Zentralmarktes [Tsentralnyi Rynok / Центральний Ринок]. In diesem Hallenkomplex werden die vielfältigen landwirtschaftlichen Erzeugnisse des Landes gehandelt. Während in der Haupthalle vorwiegende Obst, Gemüse, Backwaren und Gewürze feilgeboten werden, zweigen rechts und links kleinere Nebenhallen ab, in denen tierische Produkte verkauft werden. So gibt es jeweils eigene Trakte für Geflügel, Rind, Schwein, Ziege und Schaf, Fisch sowie Molkereiprodukte. Die Stände und Verkaufstheken sind gekachelt, die Waren liegen offen zur Begutachtung aus.

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Meine letzte Station sollte der Maxim-Ghorky Park sein. Neben verschiedenen Sportstätten und einem kleinen Vergnügungspark gibt es hier eine Standseilbahn, die in den Norden der Stadt führt. Leider war die Bahn ausgerechnet an diesem Tag für Revisionsarbeiten geschlossen, und so blieb mir die Vogelperspektive verwehrt. Da der Park am dem Flughafen entgegengesetzten Ende der Stadt liegt, bestellte ich ein Uber-Taxi. Der Fahrer verstand kein Englisch und schien auch sonst nicht so genau zu wissen, wie er im einsetzenden Feierabendverkehr am schnellsten zum Flughafen fahren sollte. Gemeinsam gelang es uns jedoch, das Navigationssystem zu bedienen und das Abflugterminal rechtzeitig zu erreichen.

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Schnell noch ein letztes Foto vom historischen Flughafengebäude und los ging die Rückreise über Kiew mit einem schönen Blick auf den Dnepr im Sonnenuntergang. Eindrucksvoll auch die Straßen und Plätze von Kiew sowie das hell erleuchtete Olympiastadion, wo an diesem Abend Dynamo Kiew gegen den FC Astana in der Europaleague antrat. In einer wolkenfreien Nacht führte die Flugroute etwas weiter nördlich als beim Hinflug über das südliche Polen, Sachsen und Thüringen. Neben anderen Städten war das nächtliche Dresden deutlich zu erkennen.

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Es waren zwei sehr intensive Tage mit einer Fülle von Eindrücken. Die kurze Begegnung mit der Ukraine hat in mir den Wunsch geweckt, das Land und seine Menschen noch besser kennen zu lernen. Ich freue mich auf das Rückspiel.

Дякую Харків! Спасибо Харьков! 

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