OTT, Thomas (1996): Auswertung und Analyse von Mental Maps mit Hilfe eines Geographischen Informationssystems. Karlsruher Geoinformatik Report 10 (20), 2-12

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Im Rahmen eines Forschungsprojektes zum Freizeit- und Fremdenverkehr im Naturpark und Biosphärenreservat Pfälzer Wald erfolgte im Frühjahr und Sommer 1993 eine Befragung von Tagestouristen auf den wichtigsten Wanderparkplätzen im Naturpark Pfälzer Wald. Im Anschluß an das etwa 5 bis 10 minütige Interview, waren die Probanden aufgefordert, den Umriß des Pfälzer Waldes in eine “stumme Karte” einzuzeichnen. Die Auswertung der Befragung erfolgte mittels eines Geographischen Informationssystems (GIS), dessen Aufbau sowie die gewählten Analysemethoden dargestellt werden.

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OTT, Thomas (1996): Wohnungsbau und Stadtentwicklung in Erfurt. In: LENTZ, S. / LUKHAUP, R. / NEFF, C. / OTT, Th. / SWIACZNY, F. (Eds.): Beiträge zur Geographischen Methode und Landeskunde II. Gedenkschrift für Rainer Joha Bender. Mannheimer Geographische Arbeiten 44, Mannheim: Geographisches Institut, 355-402

GANS, Paul / OTT, Thomas (1996): Die lokale Dimension der Raumstruktur und ihre Dynamik – Das Beispiel Erfurt. In: GENOSKO, J. / STRUBELT, W. et al. (Hg.): Städte und Regionen – Räumliche Folgen des Transformationsprozesses. Berichte zum sozialen und politischen Wandel in Ostdeutschland 5, Opladen: Leske & Budrich, 409-446

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https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-322-99576-6_10

OTT, Thomas (1995): Die Stellung der norwegischen Provinzen in einem Europa der Regionen. Petermanns Geographische Mitteilungen 139 (1), 15-30

Kurzfassung

Die norwegische Bevölkerung hat am 28./29. November 1994 nach 1972 dem EU-Beitritt des Landes zum zweiten Mal eine Absage erteilt. Während andere, vor allem mittel- und osteuropäische Staaten auf eine baldige Mitgliedschaft drängen, können es sich die Norweger infolge ihres auf reichhaltigen Bodenschätzen basierenden Wohlstands leisten, der EU fernzubleiben, zumal aufgrund der Mitgliedschaft Norwegens zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) bzw. zur Europäischen Freihandelszone (EFTA) keine direkten Nachteile einer Nichtmitgliedschaft zu erwarten sind. Im Vergleich zu den Regionen der EU zeigt sich, daß die norwegischen Provinzen, gemessen am Pro-Kopf-Einkommen, an der Arbeitslosigkeit und anderen “Wohlstandsindikatoren”, in der Regel einen überdurchschnittlichen Entwicklungsstand aufweisen, in einigen Fällen (vor allem Oslo) sogar europäische Spitzenplätze einnehmen. Die regionalen Beihilfen im Rahmen der EU-Struktur- bzw. -Kohäsionsfonds bildeten keinen Anreiz für die in besonderem Maße von einem Beitritt betroffenen Gruppen (Landwirte und Fischer), da die von der norwegischen Regierung gezahlten Subventionen deutlich über den EU-Zahlungen liegen, zumal Norwegen als Nettozahler in die Gemeinschaft gekommen wäre. Das Abstimmungsergebnis zeigt, daß vor allem die Bevölkerung in den peripheren, vom primären Sektor geprägten Regionen mit “Nein” gestimmt hat, während die Bewohner des Südens, insbesondere in und um die Hauptstadt Oslo, für den Beitritt optiert haben.

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OTT, Thomas (1994): Geographic Information Systems in Regional Research: Regional Disparities and Urban System in Europe. In: FAULBAUM, F. (Ed.): Softstat ´93. Advances in Statistical Software, Stuttgart / Jena / New York: Lucius u. Lucius, 359-365

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The paper gives an overview of the basic principles and applications of Geographic Information Systems. As an example the analysis of regional disparities in the European Community is presented.

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OTT, Thomas (1993): GIS in der Anthropogeographie. Regionale Disparitäten und Städtesystem in Europa. Materialien zur Geographie 22, Mannheim: Geographisches Institut

 

Kurzfassung

Mit den Begriffen “GIS” und “regionale Disparitäten” beinhaltet der Titel der vorliegenden Arbeit zwei Reizworte der geographischen Diskussion. Während Geographische Informationssysteme in Nordamerika und vielen europäischen Staaten längst als wichtige Methode in die geographische Forschung und Lehre Eingang gefunden haben, ist ihr Einsatz in der deutschen Geographie umstritten. Zugleich distanzieren sich viele “Nichtgeographen” von den geographischen Wurzeln der GIS-Technologie, was sich beispielsweise in der verkürzten Bezeichnung “Geo-Informationssysteme” äußert. Von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen liegt das Einsatzfeld Geographischer Informationssysteme bislang im Bereich der Physischen Geographie bzw. der Geoökologie.

Mit dem Start des Binnenmarkts am 1. Januar 1993 hat die europäische Integration eine neue Stufe erreicht. Die Städte und Regionen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft befinden sich dabei in einem intensiven Standortwettbewerb um die Ansiedlung zukunftsorientierter Unternehmen. Gleichzeitig haben die politischen Umwälzungen in Osteuropa zum Wiederaufbrechen überwunden geglaubter politischer Spannungen geführt. Beide Vorgänge haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun, bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, daß in beiden Fällen regionale Disparitäten eine wesentliche Rolle spielen. Regionalistische Bestrebungen (z.B. Spaltung der CSFR, Wahlerfolge der “Lega Lombarda” in Italien) haben meist wirtschaftliche Hintergründe, d.h. sie sind Ausdruck eines regionalen Entwicklungsgefälles. Ebenso wird die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Regionen im Standortwettbewerb im wesentlichen durch die Ressourcenausstattung und Wirtschaftsstruktur bestimmt.

Die vorliegende Arbeit verfolgt daher zwei Ziele:

  1. Die Einsatzmöglichkeiten Geographischer Informationssysteme zur Bearbeitung anthropogeographischer Fragestellungen sollen exemplarisch aufgezeigt werden.
  2. Die regionalen Disparitäten innerhalb Europas bzw. der Europäischen Gemeinschaft sowie die möglichen Ursachen und Folgen sollen beschrieben und analysiert werden.

Der eigentlichen Arbeit vorangestellt ist ein Überblick über die grundlegenden Prinzipien und Arbeitsweisen Geographischer Informationssysteme (Kapitel 2). Zentrales Thema ist dabei das Spannungsverhältnis von GIS und Geographie. Einerseits liefert die Geographie wichtige theoretische Grundlagen zur GIS-Technologie, andererseits bereichern Geographische Informationssysteme das methodische Spektrum der Geographie.

In Kapitel 3 werden die theoretischen Grundlagen der Analyse regionaler Disparitäten dargestellt. Neben einer Übersicht der wichtigsten regionalen Entwicklungstheorien, nimmt die Frage der Auswahl geeigneter Entwicklungsindikatoren breiten Raum ein. Es folgt eine Beschreibung des Aufbaus des Geographischen Informationssystems EU-REGIS, das als Grundlage der vorliegenden Untersuchung diente. Zudem werden die verwendeten Datenquellen, die räumliche Bezugsebene der Daten und die ausgewählten Indikatoren kritisch diskutiert. Die Rahmenbedingungen der räumlichen Entwicklung in Europa sind Gegenstand der Betrachtungen im vierten Kapitel. Neben den wichtigsten ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungstrends, werden die wirtschaftlichen und räumlichen Folgen des europäischen Einigungsprozesses erörtert. Der fünfte Abschnitt beschäftigt sich mit bevölkerungsgeographischen Fragestellungen. Dabei stehen Fragen der Bevölkerungsverteilung bzw. Bevölkerungsdichte sowie das europäische Städtesystem und die Frage nach der Attraktivität und den Problemen der Verdichtungsräume im Vordergrund. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt in Kapitel 6, das sich mit den wirtschaftlichen Entwicklungsunterschieden und den dafür verantwortlichen Prozessen und Strukturen befaßt. Nach einer Analyse der wirtschaftlichen Leistungskraft der Regionen erfolgt eine sektorale Betrachtung, wobei der Versuch unternommen wird, die Regionen der EG nach dem vorherrschenden Wirtschaftssektor zu typisieren. Ein wichtiger Indikator wirtschaftlicher Anpassungs- und Strukturprobleme ist die Arbeitslosigkeit, deren regionale Schwankungen ebenfalls beleuchtet werden sollen. Abschließend werden mit den Themenkomplexen “Infrastruktur” und “Technologiepolitik” zwei zentrale Engpaßfaktoren der Regionalentwicklung diskutiert. Kapitel 7 beschäftigt sich mit den Lebensbedingungen der Bevölkerung in den europäischen Regionen. Anhand ausgewählter Indikatoren zum Lebensstandard, zur medizinischen Versorgung und zur Umweltbelastung werden Fragen der Lebensqualität thematisiert. Im achten Kapitel wird der Versuch unternommen, einen möglichen Zusammenhang zwischen Naturraumpotential und wirtschaftlichem Entwicklungsstand der Regionen nachzuweisen. Die Kapitel 9 und 10 runden mit einer Betrachtung der europäischen Raumordnungs- und Regionalpolitik bzw. den möglichen Folgen zukünftiger EG-Erweiterungen die Arbeit ab. In der Schlußbetrachtung (Kapitel 11) werden die gewonnenen Erkenntnisse in einer Synthese zusammengefaßt. In einem Fazit aus methodischer Sicht sollen abschließend die Vor- und Nachteile des GIS-Einsatzes gegenübergestellt und bewertet werden. Der Arbeit angefügt sind zwei Tabellen mit den wichtigsten Kennziffern der europäischen Regionen und Agglomerationen.

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STERR, Thomas / OTT, Thomas (2004): The Industrial Region as a Promising Unit for Eco-industrial Development – Reflections, Practical Experience and the Establishment of Innovative Instruments to Support Industrial Ecology. Journal of Cleaner Production 12 (8-10), 947-965

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Eco-industrial developments with a special focus on material cycles are usually concentrated on the level of the industrial estate. However, the results of completed and ongoing research projects in Germany’s Rhine-Neckar region indicate that larger territorial units may be more suitable for closing material loops and creating sustainable EIPs. In the first part of this article, the authors argue that the industrial region is indeed the most promising level for sustainable development, but that this larger size also presents some new obstacles and challenges: establishing the necessary trust and coordination between actors, homogenizing and collecting data to enable comparisons within and between firms, and minimizing the transaction costs ensuing in the search for appropriate partners by creating transparency. The second part then presents the authors’ practical solutions and IT-tools, which were developed to support a shift towards eco-industrial development on the basis of positive synergy effects for industrial actors. Through these ecologically oriented instruments important prerequisites are fulfilled in order to stimulate an evolutionary shift towards industrial ecology.

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http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959652604000836

OTT, Thomas (2006): The City in Disguise: Vancouver as a Stand-in for Seattle in Hollywood Movies. Geographische Rundschau International Edition 2 (2), 36-43

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Pressed by declining profits and ballooning expenses at home, Hollywood has shifted production abroad, particularly the production of low-budget movies made for television. Most are made in Canada, where a weak currency, financial incentives and proximity to the United States make production relatively inexpensive and convenient. Especially Vancouver, British Columbia, has developed into a major location for movie production; the city has become known in the industry as “Hollywood North”. Major studios and independent producers alike are attracted to Vancouver by the abundance of spectacular locations, the highly experienced production teams, the pool of talented local actors and the state-of-the-art post production facilities. However, despite its role as a set for major Hollywood movies, the city is hardly ever identified as itself. It rather acts as a stand-in for American cities, especially Seattle. This process of reducing Vancouver into a mere backdrop by neglecting space and place as a source of stories and characters is fostered by American production companies and the British Columbia Film Commission alike. The scenery of the built urban fabric obstructs, however, the view on inherited, more fundamental differences in social and cultural structures and processes between Canadian and American cities.

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OTT, Thomas (1997): Erfurt im Transformationsprozeß der Städte in den neuen Bundesländern. Ein regulationstheoretischer Ansatz. Erfurter Geographische Studien 6, Erfurt: Institut für Geographie

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Am Vorabend der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten bot die Stadt Erfurt das typische Bild einer “real existierenden” sozialistischen Stadt in der DDR: Sie entsprach zwar nicht den utopischen Vorstellungen einer idealtypischen sozialistischen Stadt, aber in ihrer baulichen Substanz wie in ihrer funktionalen Struktur spiegelten sich die städtebaulichen Entwicklungen einer 40 Jahre andauernden Epoche zentralistisch-diktatorischer und planwirtschaftlicher Entscheidungsstrukturen. Obwohl die Stadt von größeren Schäden im Zweiten Weltkrieg verschont blieb, führte der Großplattenbau seit den sechziger Jahren zu empfindlichen Zerstörungen der Stadtstruktur in den Randbereichen der mittelalterlichen Stadt und den Übergängen zu den gründerzeitlichen Stadterweiterungen. Zwar blieb der Altstadtkern im wesentlichen unangetastet, jedoch haben die großflächigen sozialistischen Wohn- und Industriegebiete im Norden und Süden die Stadt überformt und nachhaltig geprägt. Abgesehen von der geplanten, aber nicht realisierten Höhendominante sind die physiognomisch-funktionalen Kennzeichen sozialistischen Städtebaus auch in Erfurt zu finden. Die nach dem Zweiten Weltkrieg neu entstandenen Wohnkomplexe und -siedlungen spiegeln die jeweils gültigen Grundsätze des sozialistischen Städtebaus der DDR wieder, wobei aufgrund des geringen Zerstörungsgrades der Wohnsubstanz und des Aufbaus der metallverarbeitenden und elektrotechnischen Industrie das zahlenmäßige Schwergewicht des Erfurter Wohnungsbaus auf den Bauformen der siebziger und achtziger Jahre liegt.

Die baulichen Strukturen fanden ihre soziale Entsprechung in der sozioökonomischen Struktur der Bevölkerung. In den Neubaugebieten der siebziger und achtziger Jahre war am Ende eine vergleichsweise ausgewogene Zusammensetzung der Einwohner gegeben, wobei allerdings durch die Vergabekriterien eine auffällige altersmäßige Schichtung bestand. In Abhängigkeit vom sanitären und baulichen Zustand der Wohnungen ergab sich in den Altbaubeständen demgegenüber eine stärkere Segregation einzelner Bevölkerungsgruppen, die im wesentlichen die Vorkriegszustände fortschrieb: die Villengebiete im Süden und Westen behielten ihren gehobenen Status und waren bevorzugte Wohnstandorte für Angehörige der Nomenklatur von Partei und Staat. Die traditionellen Arbeiterwohngebiete im Osten und Norden sanken durch die schlechte Ausstattung und den fortschreitenden baulichen Verfall immer weiter hinter die Neubaugebiete zurück, so daß am Ende eine deutliche Überalterung der Bevölkerung sowie eine Konzentration sozialer Problemfälle zu beobachten war.

Der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik hatte weitreichende Auswirkungen auf die innere Differenzierung der Stadt sowie auf die Stadt-Umland-Beziehungen. Mit der Übertragung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Regulationssystems aus der alten Bundesrepublik wurde in vielen Bereichen eine schlagartige Umkehr der bisherigen Entwicklung in Gang gesetzt. Während bis 1989 die Konzentration des Wohnungsbaus auf die damalige Bezirksstadt eine kontinuierliche Zunahme der Einwohnerzahlen verursachte, dokumentierte der Bevölkerungsrückgang im Landkreis Erfurt die Vernachlässigung ländlicher Siedlungen und das Fehlen jeglicher Suburbanisierung. Diese setzte erst nach 1990 ein und zeigt sich am Einwohnerzuwachs der Umlandgemeinden. In der Altstadt führte das kapitalistische Bodenwertgefüge zur Herausbildung einer City, die sich auch auf benachbarte Bereiche ausdehnte. Insbesondere die gründerzeitlichen Wohnquartiere sind einem überwiegend exogen gesteuerten Umnutzungsdruck unterworfen, der sich durch die Verdrängung der Wohnfunktion durch Handels- und Dienstleistungseinrichtungen, aber auch durch die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen äußert. Die mangelhafte infrastrukturelle Erschließung der Innenstadt und die ungeklärten Eigentumsfragen führten neben anderen rechtlichen und ökonomischen Faktoren (z. B. zeitlich befristete Sonderabschreibungen) zur Entstehung von ausgedehnten Gewerbegebieten und großen Einzelhandelseinrichtungen am Stadtrand bzw. in den mit neuen Rechten ausgestatteten Umlandgemeinden. Das Prinzip “Rückgabe vor Entschädigung” hemmte aufgrund unklarer Eigentumsverhältnisse die Investitionstätigkeit in vernachlässigte Wohngebäude, so daß mögliche Zuwanderer wegen der zügigen Baulandausweisung im Umland dorthin zogen. Alle kernstädtischen Wohnquartiere waren von starken Bevölkerungsverlusten betroffen. Die Abwanderungsströme richteten sich zunächst auf die alten Länder, ab 1992/93 vermehrt auf die neu entstandenen Wohngebiete im Umland. Der markante Bevölkerungsverlust nach 1988 konnte erst wieder mit den Eingemeindungen Mitte 1994 ausgeglichen werden.

Als persistentes bzw. an Traditionen anknüpfendes Element zeigt sich, basierend auf den natürlichen Standortfaktoren und den baulich-räumlichen Gegebenheiten, der soziale Status der Wohngebiete. So können insbesondere die Villengebiete im Süden der Stadt, die auch zu DDR-Zeiten bevorzugter Wohnstandort der Führungselite waren, an ihren Vorkriegsstatus als Oberschichtwohngebiete anknüpfen. Während die traditionell von Arbeiter- und Kleinbürgerhaushalten bewohnten gründerzeitlichen Wohnquartiere zumindest in Teilbereichen eine Aufwertung erfahren, fallen die einst begehrten sozialistischen Plattenbausiedlungen in ihrer relativen Position stetig zurück, da sowohl das Wohnumfeld als auch die sanitäre Ausstattung und der Zuschnitt der Wohnungen immer weniger den gestiegenen Ansprüchen genügen.

Der Flächennutzungswandel im Raum Erfurt findet seinen Niederschlag vor allem in Gewerbestandorten “auf der grünen Wiese” sowie suburbanen Ein- und Mehrfamilienhausgebieten mit häufig monotonen Hausformen und Gestaltungselementen. Gewerbliche, militärische oder agrarische Brachen spielen bei der Erschließung nur eine untergeordnete Rolle. Eine Ausnahme bilden lediglich ehemalige LPG-Gebäude, die vor allem in der unmittelbaren Nachwendezeit in Verkaufseinrichtungen oder Lager umfunktioniert wurden. Agrarische Brachen sind aufgrund der hohen Bodengüte im Thüringer Becken kaum zu verzeichnen, die Neubebauung ehemals militärisch oder industriell genutzter Flächen wird vor allem durch die Altlastenproblematik und die bisweilen ungeklärten Eingentumsfragen erschwert.

Vor allem jene Gemeinden weisen eine dynamische Entwicklung auf, die sich durch günstige Standortbedingungen (z. B. Nähe zur Autobahn, landschaftliche Attraktivität) auszeichnen. Dies gilt sowohl für Gewerbe- als auch für Wohnungbauprojekte. In denjenigen Gemeinden, in denen die Neubaugebiete bereits fertiggestellt sind, waren in den letzten Jahren enorme Bevölkerungszuwächse zu verzeichnen, die einerseits von Abwanderern aus der Kernstadt, aber auch von Zuwanderern aus anderen Regionen (alte Bundesländer) getragen werden. Demgegenüber stehen periphere Gemeinden, in denen nach wie vor Abwanderungstendenzen und ein negativer Saldo der natürlichen Bevölkerungsentwicklung zu verzeichnen sind.

Bedingt durch den verzögerten Aufbau der übergeordneten Planungs- und Genehmigungsinstanzen, wurden in den Jahren 1990/91 Standortentschiedungen getroffen, die sich nachteilig auf die Entwicklung des innerstädtischen Einzelhandels auswirken. Zwar war im Raum Erfurt nicht die aus anderen Regionen (bspw. Leipzig) bekannt gewordene exzessive Verkaufsflächenausweisung zu beobachten, jedoch sind auch hier mittlerweile Überkapazitäten entstanden, so daß aufgrund des nach wie vor bestehenden Kaufkraftgefälles zwischen alten und neuen Bundesländern mit Schließungen und Zusammenbrüchen zu rechnen ist.

Die Analyse der Fallstudiengebiete hat gezeigt, daß durch die quasi über Nacht erfolgte Übertragung der westlichen Regulationsmechanismen eine auf Kovergenz mit den westdeutschen Städten strebende Entwicklung in Gang gesetzt wurde. Die “nachholende Modernisierung” folgt jedoch nicht exakt allen Entwicklungsphasen der Städte in den alten Bundesländern. Vielmehr werden Etappen übersprungen und ausgelassen oder in anderer Reihenfolge bzw. parallel und häufig sehr viel schneller nachvollzogen. Diese Dynamik ist insbesondere im suburbanen Raum sowie in einigen, durch Cityerweiterungstendenzen gekennzeichnete, Altbaugebieten zu beobachten.

Viele Anzeichen sprechen dafür, daß sich in Erfurt der dynamische Entwicklungsprozeß der letzten Jahre fortsetzen und durch neue Impulse (Eröffnung der Universität, Umzug des Bundesarbeitsgerichts, Fertigstellung der ICE-Linien) noch beschleunigen wird. Die steigende Zahl der Zuwanderer – nicht zuletzt aus den alten Bundesländern –, die Anpassung der Lebens- und Wohnverhältnisse an die “westlichen” Bedingungen sowie der enorme Sanierungs- und Erneuerungsbedarf der vorhandenen Bausubstanz werden über die Jahrtausendwende hinaus für sektorale Engpässe auf dem Wohnungsmarkt sorgen. Durch die Eingemeindung der 18 neuen Stadtteile konnten erhebliche Wohnbaulandreserven hinzugewonnen werden, deren Erschließung dazu beiträgt, die abwandernden Bevölkerungsteile innerhalb der Stadtgrenzen zu halten. Es bleibt abzuwarten, ob die Suburbanisierung in den kommenden Jahren tatsächlich den aus dem Westen bekannten Umfang erreichen wird, oder ob es gelingt, durch eine zügige Modernisierung und Aufwertung der innerstädtischen Wohnquartiere (v.a. im Gründerzeitgürtel) attraktive Wohnstandorte sowohl für junge Familien als auch für die steigende Zahl der Ein- und Zwei-Personen-Haushalte zu schaffen. Für eine Ausweitung der Suburbanisierung spricht u. a. die große Zahl der zu modernisierenden Wohnungen, deren zügige Erneuerung durch eine Vielzahl von Faktoren wie ungeklärte Eingentumsverhältnisse oder mangelndes Kapital behindert wird. Dagegen sprechen beispielsweise die veränderte soziodemographische Zusammensetzung der Gesellschaft (Zunahme der Ein- und Zwei-Personen-Haushalte, steigende Zahl älterer Menschen), die gesunkene staatliche Förderung des Eigenheimbaus im Vergleich zu den siebziger Jahren im Westen, das geringere Einkommensniveau der ostdeutschen Haushalte sowie die in Planung und breite Bevölkerungsschichten vorgedrungene (ökologische) Erkenntnis der problematischen Verkehrsanbindung von Wohnstandorten im suburbanen Raum.

Die Zukunft der Großwohnsiedlungen ist schwer vorherzusagen. Es bleibt abzuwarten, ob es durch Eingriffe, die über wohnumfeldverbessernde Maßnahmen hinausgehen, gelingt, ein Absinken der Attraktivität und eine damit einhergehende soziale Erosion zu verhindern. Die derzeit zu beobachtenden Prozesse – Abwanderung einkommensstärkerer Haushalte und Zuwanderung von aus der Kernstadt verdrängten Bevölkerungsgruppen – sprechen für den Abstieg. Hinzu kommt, daß die zunehmende Zahl von neu gebauten oder modernisierten Wohnungen die zu DDR-Zeiten vergleichsweise hohe Ausstattungsqualität der Plattenbauwohnungen hinter die neuen Ausstattungsstandards zurücksinken läßt. Allein die enorme Zahl der Wohnungen in den Plattenbausiedlungen verbietet jedoch eine Übertragung der Beobachtungen aus westdeutschen oder westeuropäischen Großwohnsiedlungen. Aufgrund der spezifischen alterstrukturellen Zusammensetzung der Bewohner sind darüberhinaus infrastrukturelle Engpässe voprogrammiert.

Nach dem für viele Städte typischen Wachstum im Zeitalter der Industrialisierung und nach vier Jahrzehnten sozialistischer Prägung erhält Erfurt wiederum ein neues Gesicht. Die Spuren, die die Epoche des sozialistischen Städtebaus hinterlassen hat, werden jedoch noch viele Jahrzehnte sichtbar bleiben und eine völlige Angleichung an die physiognomische und funktionale Struktur westdeutscher Städte verhindern.

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Rezensionen

“Diese Arbeit bietet eine sehr umfassende Fallstudie über den Wandel ostdeutscher Städte nach der Wende am Beispiel Erfurts. Die Fülle der sehr aussagekräftigen Materialien ist eine Fundgrube für Klausuren. Die Online-Version könnte auch im medienorientierten Erdkundeunterricht eingesetzt werden.”
Werner Wallert, Fachberater für Erdkunde bei der Bezirksregierung Braunschweig

HORN, Michael / OTT, Thomas / ZEMANN, Christian (2006): Geographical Aspects of the 2006 Football Worldcup in Germany. Geographische Rundschau International Edition 2 (2), Posterbeilage

Kurzfassung

Beilageposter mit Informationen zu den Austragungsorten der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland sowie vergleichenden statistischen Indikatoren der teilnehmenden Länder.

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