GIS in der Anthropogeographie: Regionale Disparitäten und Städtesystem in Europa (Diplomarbeit)

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OTT, Thomas (1993): GIS in der Anthropogeographie. Regionale Disparitäten und Städtesystem in Europa. Materialien zur Geographie 22, Mannheim: Geographisches Institut

 

Kurzfassung

Mit den Begriffen „GIS“ und „regionale Disparitäten“ beinhaltet der Titel der vorliegenden Arbeit zwei Reizworte der geographischen Diskussion. Während Geographische Informationssysteme in Nordamerika und vielen europäischen Staaten längst als wichtige Methode in die geographische Forschung und Lehre Eingang gefunden haben, ist ihr Einsatz in der deutschen Geographie umstritten. Zugleich distanzieren sich viele „Nichtgeographen“ von den geographischen Wurzeln der GIS-Technologie, was sich beispielsweise in der verkürzten Bezeichnung „Geo-Informationssysteme“ äußert. Von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen liegt das Einsatzfeld Geographischer Informationssysteme bislang im Bereich der Physischen Geographie bzw. der Geoökologie.

Mit dem Start des Binnenmarkts am 1. Januar 1993 hat die europäische Integration eine neue Stufe erreicht. Die Städte und Regionen innerhalb der Europäischen Gemeinschaft befinden sich dabei in einem intensiven Standortwettbewerb um die Ansiedlung zukunftsorientierter Unternehmen. Gleichzeitig haben die politischen Umwälzungen in Osteuropa zum Wiederaufbrechen überwunden geglaubter politischer Spannungen geführt. Beide Vorgänge haben auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun, bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, daß in beiden Fällen regionale Disparitäten eine wesentliche Rolle spielen. Regionalistische Bestrebungen (z.B. Spaltung der CSFR, Wahlerfolge der „Lega Lombarda“ in Italien) haben meist wirtschaftliche Hintergründe, d.h. sie sind Ausdruck eines regionalen Entwicklungsgefälles. Ebenso wird die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Regionen im Standortwettbewerb im wesentlichen durch die Ressourcenausstattung und Wirtschaftsstruktur bestimmt.

Die vorliegende Arbeit verfolgt daher zwei Ziele:

  1. Die Einsatzmöglichkeiten Geographischer Informationssysteme zur Bearbeitung anthropogeographischer Fragestellungen sollen exemplarisch aufgezeigt werden.
  2. Die regionalen Disparitäten innerhalb Europas bzw. der Europäischen Gemeinschaft sowie die möglichen Ursachen und Folgen sollen beschrieben und analysiert werden.

Der eigentlichen Arbeit vorangestellt ist ein Überblick über die grundlegenden Prinzipien und Arbeitsweisen Geographischer Informationssysteme (Kapitel 2). Zentrales Thema ist dabei das Spannungsverhältnis von GIS und Geographie. Einerseits liefert die Geographie wichtige theoretische Grundlagen zur GIS-Technologie, andererseits bereichern Geographische Informationssysteme das methodische Spektrum der Geographie.

In Kapitel 3 werden die theoretischen Grundlagen der Analyse regionaler Disparitäten dargestellt. Neben einer Übersicht der wichtigsten regionalen Entwicklungstheorien, nimmt die Frage der Auswahl geeigneter Entwicklungsindikatoren breiten Raum ein. Es folgt eine Beschreibung des Aufbaus des Geographischen Informationssystems EU-REGIS, das als Grundlage der vorliegenden Untersuchung diente. Zudem werden die verwendeten Datenquellen, die räumliche Bezugsebene der Daten und die ausgewählten Indikatoren kritisch diskutiert. Die Rahmenbedingungen der räumlichen Entwicklung in Europa sind Gegenstand der Betrachtungen im vierten Kapitel. Neben den wichtigsten ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungstrends, werden die wirtschaftlichen und räumlichen Folgen des europäischen Einigungsprozesses erörtert. Der fünfte Abschnitt beschäftigt sich mit bevölkerungsgeographischen Fragestellungen. Dabei stehen Fragen der Bevölkerungsverteilung bzw. Bevölkerungsdichte sowie das europäische Städtesystem und die Frage nach der Attraktivität und den Problemen der Verdichtungsräume im Vordergrund. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt in Kapitel 6, das sich mit den wirtschaftlichen Entwicklungsunterschieden und den dafür verantwortlichen Prozessen und Strukturen befaßt. Nach einer Analyse der wirtschaftlichen Leistungskraft der Regionen erfolgt eine sektorale Betrachtung, wobei der Versuch unternommen wird, die Regionen der EG nach dem vorherrschenden Wirtschaftssektor zu typisieren. Ein wichtiger Indikator wirtschaftlicher Anpassungs- und Strukturprobleme ist die Arbeitslosigkeit, deren regionale Schwankungen ebenfalls beleuchtet werden sollen. Abschließend werden mit den Themenkomplexen „Infrastruktur“ und „Technologiepolitik“ zwei zentrale Engpaßfaktoren der Regionalentwicklung diskutiert. Kapitel 7 beschäftigt sich mit den Lebensbedingungen der Bevölkerung in den europäischen Regionen. Anhand ausgewählter Indikatoren zum Lebensstandard, zur medizinischen Versorgung und zur Umweltbelastung werden Fragen der Lebensqualität thematisiert. Im achten Kapitel wird der Versuch unternommen, einen möglichen Zusammenhang zwischen Naturraumpotential und wirtschaftlichem Entwicklungsstand der Regionen nachzuweisen. Die Kapitel 9 und 10 runden mit einer Betrachtung der europäischen Raumordnungs- und Regionalpolitik bzw. den möglichen Folgen zukünftiger EG-Erweiterungen die Arbeit ab. In der Schlußbetrachtung (Kapitel 11) werden die gewonnenen Erkenntnisse in einer Synthese zusammengefaßt. In einem Fazit aus methodischer Sicht sollen abschließend die Vor- und Nachteile des GIS-Einsatzes gegenübergestellt und bewertet werden. Der Arbeit angefügt sind zwei Tabellen mit den wichtigsten Kennziffern der europäischen Regionen und Agglomerationen.

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